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kernen. So geschah es, daß die Emigranten, die während der Revolution zuuns herübcrflüchtctcn, den Wechsel der Verhältnisse so leicht ertrugen, undmanche darunter, um das liebe Brod zu gewinnen, sich aus dem Stegreif einGewerbe zu schaffen wußten. Meine Mutter hat mir oft erzählt, wie einfranzösischer Marquis sich damals als Schuster in unsrcr Stadt ctablirte unddie besten Damcnschuhc verfertigte; er arbeitete mit Lust, pfiff die ergötzlichstenLiedchen, und vergaß alle frühere Herrlichkeit. Ein deutscher Edelmann hätteunter denselben Umständen ebenfalls zum Schustcrhandwcrk seine Zufluchtgenommen, aber er hätte sich gewiß nicht so heiter in sein ledernes Schicksalgefügt, und er würde sich jedenfalls auf männliche Stiesel gelegt haben, aufschwere Sporcnstiefcl, die an den alten Mittelstand erinnern. Als die Fran-zosen über den Rhein kamen, mußte unser Marquis seine Boutique verlassen,und er floh nach einer andern Stadt, ich glaube nach Cassel, wo er der besteSchneider wurde; ja, ohne Lehrjahre emigrirtc er solchermaßen von einemGewerbe zum andern, und erreichte darin gleich die Meisterschaft — was einemDeutschen unbegreiflich erscheinen dürfte, nicht bloS einem Deutschen von Adel,sonder» auch dem gewöhnlichsten Bürgcrkind. Nach dem Sturze des Kaiserskam der gute Mann mit ergraute» Haaren aber unverändert jungem Herzenin die Hcimath zurück, und schnitt ein so hochadeligcs Gesicht und trug wiederso stolz die Nase, als hätte er niemals den Pfriem oder die Nadel geführt. Esist ein Jrrthum, wenn man von den Emigranten behauptete, sie hätten nichtsgelernt und nichts vergessen, im Gcgentheil sie hatten alles vergessen was siegelernt. Die Helden der Napolconischcn Kriegsperiodc, als sie abgedankt oderauf halben Sold gesetzt wurden, warfen sich ebenfalls mit dem größten Ge-schick in die Gewcrbthätigkeit des Friedens, und jedesmal wenn ich in dasComptoir von Dellope trat, hatte ich meine liebe Verwunderung, wie der ehe-malige Coloncll jetzt als Buchhändler an seinem Pulte saß, umgeben vonmehren weißen Schnurrbärten, die ebenfalls als brave Soldaten unter demKaiser gcsochtcu, jetzt aber bei ihrem alten Kameraden als Buchhalter oderRechnungsführer, kurz als Commis dienten.
Aus einem Franzosen kann man alles machen, und jeder dünkt sich zu allemgeschickt. Aus dem kümmerlichsten Bühnendichter entsteht plötzlich, wie durcheinen Thcatcrcoup, ein Minister, ein General, ein Kirchenlicht, ja ein Herr-gott. Ein merkwürdiges Beispiel der Art bieten die Transformationen unsrcslieben Charles Duvcyricr, der einer der erleuchtetsten Dignitare der Saint-Simonistischcu Kirche war, und als diese aufgehoben wurde, von der geistlichenBühne zur weltlichen überging. Dieser Charles Duveyricr saß in der SalleTaitbout auf der Vischofsbank, zur Seite des Vaters, nämlich Enfantin's;er zeichnete sich aus durch einen gottcrlenchtctcn Prophetenton, und auch in derStunde der Prüfung gab er als Märtyrer Zcugniß für die neue Religion.