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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Blutbad angerichtet auf jcncr Insel, wo die Sklaverei längst abgeschafft, wodie Vcrsaffung eine republikanische ist, ohne verjungende Keime, aber wurzelndin ewigen Vcrnunftgcsctzen z es herrscht dort Freiheit und Gleichheit, sogarschwarze Prcßsreihcit. Greiz-Schleiz ist keine solche Republik, kein so hitzigerBoden wie Hapti, wo das Zuckerrohr, die Kaffcestaude und die schwarze Preß-frcihcit wächst, und also ein Erdbeben sehr leicht entstehen konnte; aber trotz deszahmen Kartoffciclimas, trotz der Censnr, trotz der geduldigen Verse, die ebendeclamirt oder gesungen wurden, ist den Greiz-Schleizcrn, während sie ver-gnügt und schaulustig im Theater saßen, plötzlich das Dach auf den Kopfgefallen, und ein Theil des vcrchrungSwürdigen PublicumS sah sich unerwar-tet in den OrcuS geschleudert!

Ja, im sanftscligstcn Stilllcben, im Zustande des Friedens, häufte sich mehrUnheil und Elend, als jemals der Zorn Bellona's zusammcntrompetc» konntc.Und nicht blos zu Lande, sondern auch zu Wasser haben wir in diesem Jahrdas Außerordentliche erduldet. Die zwei großen Schiffbrüche an den Küstenvon Südafrika und der Manche gehören zu den schauderhaftesten Capitcln inder Martyrgcschichte der Menschheit. Wir haben keinen Krieg, aber der Frie-den richtet uns hin, und gehen wir nicht plötzlich zu Grunde durch einen bru-talen Zufall, so sterben wir doch allmählich an einem gewissen schleichendenGift, an einer Agua Tofana, welche uns in den Kelch des Lebens geträufeltworden, der Himmel weiß von welcher Hand!

Ich schreibe diese Zeilen in den letzten Stunden des scheidenden bösen Jahres.DaS neue steht vor der Thüre. Möge es minder grausam sein als sein Vor-gänger! Ich sende meinen wchmllthigstcn Glückwunsch zum Neujahr überden Rhein. Ich wünsche den Dummen ein Bischen Verstand und den Ver-ständigen ein Bischen Poesie. Den Frauen wünsche ich die schönsten Kleiderund den Männern sehr viel Geduld. Den Reichen wünsche ich ein Herz undden Armen ein Stückchen Brod. Vor allem aber wünsche ich, daß wir indiesem neuen Jahr einander so wenig als möglich verleumden mögen.

S4.

Paris, den 2. Februar t8i3.

Worüber ich am meisten erstaune, das ist die Anstclligkcit dieser Franzosen,das geschickte Ucbergchcn oder vielmehr Ucbcrspringen von einer Beschäftigungin die andre, in eine ganz heterogene. Es ist dieses nicht blos eine Eigenschaftdes leichten Naturells, sondern auch ein historisches Erwerbniß: sie haben sichim Laufe der Zeit ganz losgemacht von hemmenden Vorurthcilcn und Pedan-