330 —
einer puritanischen, ich möchte sagen republikanischen Prunklosigkeit. Er, dersonst so redselig, ist seitdem sehr wortkarg geworden. Das schweigende Em-pfangen in den Tuilericn vor einigen Tagen hatte etwas ungemein Trübsin-niges, beinahe Geisterhaftes; ohne eine Silbe zu sprechen, gingen über tausendMenschen bei dem König vorüber, der stumm und leidend sie ansah. Es heißtdaß in Notrc-Damc das angekündigte Requiem nicht stattfinde; der Königwill bei dem Bcgräbniß seines Sohnes keine Musik; Musik erinnere allzusehran Spiel nnd Fest. —Sein Wunsch, die Regentschaft auf seinen Sohn über-tragen zu sehen und nicht auf seine Schwiegertochter, ist in der Adresse hin-länglich angedeutet. Dieser Wunsch wird wenig -Widerrede finden, undNemours wird Regent, obgleich dieses Amt der schonen und geistreichen Her-zogin gebührt, die, ein Muster von weiblicher Vollkommenheit, ihres verstor-benen Gemahles so würdig war. Gestern sagte man, der König werde seinenEnkel, den Grafen von Paris, in die Dcputirtcnkammer mitbringen. Vielewünschten es, und die Sccue wäre gewiß sehr rührend gewesen. Aber derKönig vermeidet jetzt, wie gesagt, alles was an das Pathos der Feudalmonar-chie erinnert. — Uebcr Ludwig Philipps Abneigung gegen Wcibcrregentschaf-tcn sind viele Acußernngcn ins Publicum gedrungen. Der dümmste Mann,soll er gesagt haben, werde immer ein besserer Regent sein als die klügste Frau.Hat er deshalb dem NemourS den Vorzug gegeben vor der klugen Helene?
50.
Paris, den 29. Juli IA2.
Der Gcmeinderath von Paris hat beschlossen, das Elcphantcnmodrll, dasaus dem Bastillcnplatz steht, nicht zu zerstören, wie man anfangs beabsichtigte,sondern zu einem Gusse in Erz zu benützen und das hervorgehende Monu-ment am Eingange der Barribre du TrSne aufzustellen, lieber diesen Mu-nicipalbcschluß spricht das Volk der Faubonrgs Saint-Antoinc und Saint-Marceau fast eben so viel wie die höhern Classcn über die Regentschaftsfrage.Jener collossale Elephant von Gyps, welcher schon zur Kaiserzeit aufgestelltward, sollte später als Modell des Denkmals dienen, das man der Julinsre-volution auf dem Bastillcnplatze zu widmen gedachte. Seitdem ward manandern Sinnes, und man errichtete Zur Verherrlichung jenes glorreichen Er-eignisses die große Juliussäule. Aber die Forträumung des Elephanten er-regte große Besorgnisse. Es ging nämlich unter dem Volke das unheimlicheGerücht von einer ungeheuren Anzahl Ratten, die sich im Innern des Ele-phanten eingenistet hätten, und es sei zu befürchten, daß wenn man die großeGypsbestie niederreiße, eine Legion von kleinen aber sehr gefährlichen Scheu-