gcsctzcn der Zeit und der eigenen Nntur. Wie viele populaire Kronprinzenhaben wir unbeliebt enden sehen! Wie grauenhaft wetterwendisch zeigte sichdas Volk in Bezug auf die ehemaligen Lieblinge! Die französische Geschichteist besonders reich an betrübenden Beispielen. Mit welchem Freudejanchzenumjubcltc das Volk den jungen Ludwig XIV. — mit thräncnlosem Kaltsinnsah es den Greis begraben. Ludwig XV. hieß mit Recht Is bien-aiin6 undmit wahrer Affenliebe huldigten ihm die Franzosen im Anfang; als er starb,lachte man und pfiff man Schclmenliedcr: man freute sich über seinen Tod.Seinem Nachfolger Ludwig XVI. ging es noch schlimmer, und er, der alsKronprinz fast angebetet wurde und der im Beginn seiner Regierung für dasMuster aller Vollkommenheit galt, er ward von seinem Volke persönlich miß-handelt und sein Leben ward sogar verkürzt, in der bekannten majcstäts-vcrbrcchcrischcn Meise, auf der Place de la Concorde. Der letzte dieser Linie,Karl X., war nichts weniger als unpopulair, als er auf den Thron stieg, unddas Volk begrüßte ihn damals mit unbeschreiblicher Begeisterung; einige Jahrespater ward er zum Lande hinaus cScortirt, und er starb den harten Tod desExils. Der Solonische Spruch, daß man Niemand vor seinem Ende glück-lich preisen möge, gilt ganz besonders von den Königen von Frankreich. Laßtuns daher den Tod des Herzogs von Orleans nicht deshalb beweinen, weil ervom Volke so sehr geliebt ward und demselben eine so schöne Zukunft versprach,sondern weil er als Mensch unsere Thräncn verdiente. Laßt uns auch nichtso sehr jammern über die sogeuannte ruhmlose Art, über das banal Zufälligeseines Endes. Es ist besser, daß sein Haupt gegen einen harmlosen Steinzerschellte, als daß die Kugel eines Franzosen oder eines Deutschen ihm denTod gab. Der Prinz hatte eine Vorahnung seines frühen Sterbens, meinteaber, daß er im Kriege oder in einer Emeute fallen würde. Bei seinem ritter-lichen Muthc, der jeder Gefahr trotzte, war dergleichen sehr wahrscheinlich. —Der königliche Dulder, Ludwig Philipp, benimmt sich mit einer Fassung, diejeden mit Ehrfurcht erfüllt. Im Unglück zeigt er die wahre Größe. SeinHerz verblutet in namenlosem Kummer, aber sein Geist bleibt ungebeugt, under arbeitet Tag und Nacht. Nie hat man de» Werth seiner Erhaltung tiefergefühlt, als eben jetzt, wo die Ruhe der Welt von seinem Leben abhängt.Kämpfe tapfer, verwundeter Fricdenshcld!
Paris, den 26. Juli I8ä2.
Die Thronrede ist kurz und einfach. Sie sagt das Wichtigste in der wür-digsten Weise. Der König hat sie selbst verfaßt. Sein Schmerz zeigt sich in
Heine. VI. 30