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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Paris, dm 19. Juli 1812.

Der verstorbene Herzog von Orleans bleibt fortwährend das Tagesgespräch.Noch nie hat das Ableben eines Menschen so allgemeine Trauer erregt. Esist merkwürdig, daß in Frankreich, wo die Revolution noch nicht anSgcgährt,die Liebe für einen Fürsten so tief wurzeln und sich so großartig manifcstircnkonnte. Nicht blos die Bourgeoisie, die alle ihre Hoffnungen in den jungenPrinzen setzte, sondern auch die untern Volksklasscn beklagen seinen Verlust.Als man das Juliusfcst vertagte und auf der Place de la Concorde die großenGerüste abbrach, die zur Illumination dienen sollten, war es ein herzzerreißen-der Anblick, wie das Volk sich auf die niedergerissenen Balken und Brettersetzte und über den Tod des thcurcn Prinzen jammerte. Eine düstere Betrllb-niß lag aus alle» Gesichtern und der Schmerz derjenigen, die kein Wortsprachen, war am beredsamsten. Da flössen die redlichsten Thräncn und unterden Weinenden war gewiß mancher, der in der Tabagie mit seinem Rcpubli-kanismus prahlte.

Aber für Frankreich ist der Tod des jungen Prinzen ein wirkliches Unglück,und er dürfte weniger Tugenden besessen habe» als ihm nachgerühmt werden,so hätten doch die Franzosen hinlängliche Ursache zum Weinen, wenn sie andie Zukunft denken. Die Regentschaftösrage beschäftigt schon alle Köpfe undleider nicht blos die gcscheidtcn. Viel Unsinn wird bereit? zu Markt gebracht.Auch die Arglist weiß hier eine Jdccnvcrwirrung anzuzetteln, die sie zu ihrenPartcizwcckcn auszubeuten hofft, und die in jedem Fall sehr bedenkliche Folgenhaben kann. Genießt der Herzog von Nemours wirklich die allerhöchste Un-gnade des souveraincU Volks, wie mit übertriebenem Eifer behauptet wird?Ich will nicht darüber urtheilcn. Noch weniger will ich die Gründe seinerUngnade untersuchen. Das Vornehme, Feine, Ablehnende, Patricicrhaste inder Erscheinung des Prinzen ist wohl der eigentliche Ankiagepunkt. DaSAussehen des Orleans war edel, das Aussehen des Nemours ist adelig. Undselbst wenn das Acußcre dem Innern entspräche, wäre der Prinz deshalb nichtminder geeignet, einige Zeit als Gonfaloniere der Demokratie derselben diebesten Dienste zu leisten, da dieses Amt, durch die Macht der Verhältnisse, ihmdie größte Vcrläugnung der Privatgcfühle geböte: denn sein verhaßtes Hauptstünde hier auf dem Spiele. Ich bin sogar überzeugt, die Interessen derDemokratie sind weit weniger gefährdet durch einen Regenten, dem man wenigtraut und den man beständig controlirt, als durch einen jener Günstlinge desVolks, denen man sich mit blinder Vorliebe hingiebt und die am Ende dochnur Menschen sind, wandelbare Geschöpfe, unterworfen den Verändcrungs-