spielS nur die verschlossenen Thüren sahen und von dem Unglück hörten, dasbei Neuilly, auf dem Weg, der lo ellemiu eis la rsvolte heißt, passirt war, dastürzten die Thränen aus manchen schönen Augen, da war nichts als einSchluchzen und Jammer» um den schöne» Prinzen, der so hübsch und so jungdahin sank, eine thcure ritterliche Gestalt, Franzose im liebenswürdigstenSinne, in jeder Beziehung der nationalen Bcklagniß würdig. Ja, er fiel inder Blüthe seines Lebens, ein heiterer hcldcnmllthiger Jüngling, und er vcr-blutctc so rein, so unbefleckt, so beglückt, gleichsam unter Blumen, wie einstAdonis! Wenn er nur nicht gleich nach seinem Tod in schlechten Versen undin noch schlechterer Lakaienprosa gefeiert wird! Doch das ist das LooS desSchönen hier auf Erden. Vielleicht während der wahrhafteste und stolzesteSchmerz das französische Volk erfüllt und nicht blos schöne Frauenthränendem Hingeschiedenen fließen, sondern auch freie Männerthränen sein Andenkenehren, hält sich die officiclle Trauer schon etwelche Zwiebeln vor die Nase, umbctrüglich zu flennen, und gar die Narrheit windet schwarze Flore um dieGlöckchen ihrer Kappe, und wir hören bald das tragikomische Geklingel. Be-sonders die larmopantc Faselhansclei, lauwarmes Spülicht der Sentimentali-tät, wird sich bei dieser Gelegenheit geltend machen. Vielleicht zu dieser Stundeschon keucht Lafitte nach Neuilly und umarmt den König mit deutschester Rüh-rung, und die ganze Opposition wischt sich das Wasser aus den Augen. Viel-leicht schon in dieser Stunde besteigt Chateaubriand sein melancholisches Flü-gelroß, seine gefiederte Rosinantc, und schreibt eine hohltöncnde Condolationan die Königin. Widerwärtige Weichlichkeit und Fratze! und der Zwischen-raum ist sehr klein, der hier das Erhabene vom Lächerlichen trennt. Wiegesagt, vor den Theatern auf den Boulevards erfuhr man gestern die Gewiß-heit des bctrübsamcn Ereignisses, und hier bildeten sich überall Gruppen umdie Redner, welche die nähern Umstände mit mehr oder weniger Zuthat undAusschmückung erzählten. Mancher alte Schwätzer, der sonst nie Zuhörerfindet, benutzte diese Gelegenheit, um ein aufmerksames Publicum um sich zuversammeln und die öffentliche Neugier im Interesse seiner Rhetorik auszu-beuten. Da stand ein Kerl vor den Variätös, der ganz besonders pathetischdcclamirtc, wie Thcramcn in der Phädra: il St-ut Sur sou ob-rr u. s. w. Eshieß allgemein, indem der Prinz vom Wagen stürzte, sei sein Degen gebrochenund der obere Stumpf ihm in die Brust gedrungen. Ein Augenzeuge wolltewissen, daß er noch einige Worte gesprochen, aber in deutscher Sprache. Ucbri-gens herrschte gestern überall eine leidende Stille, und auch heute zeigt sich inParis keine Spur von Unruhe.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten