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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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dcr Seine vorübcrfuhr, und er merkte nicht im mindesten die wcltumgcstal-tende Bedcutnng dieses Phänomens!

45.

Paris, den 20. Juni 1812.

In einem Lande, wo die Eitelkeit so viele eifrige Jünger zählt, wird die Zeitdcr Dcputirtenwahl immer eine sehr bewegte sein. Da die Deputation abernicht bloS die Eigenliebe kitzelt, sondern auch zu den fettesten Remtern und zuden einträglichste» Einflüssen führt; da hier also nicht blos der Ehrgeiz, son-dern auch die Habsucht ins Spiel kommt; da es sich hier auch um jene mate-riellen Interessen handelt, denen unser Zeitalter so inbrünstig huldigt: so istdie Deputirtcnwahl ein wahrer Wcttlauf, ein Pferderennen, dessen Anblick fürden fremden Zuschauer eher cnrios als erfreulich sein mag. Es sind nämlichnicht eben die schönsten und besten Pferde, die bei solchem Rennen zum Vor-schein kommen, nicht die inwohncndcn Tugenden dcr Stärke, des Vollbluts,dcr Ausdauer kommen hier in Anschlag, sondern nnr die leichtfüßige Behen-digkeit. Manches edle Roß, dem dcr feurigste Schlachtmuth auS den Nüsternschnaubt und Vernunft aus den Augen blitzt, muß hier einem magern Kleppernachstehen, der aber zu Triumphen auf dieser Bahn ganz besonders abgerichtetworden. Uebcrstolzc, störrige Gäule gerathen hier schon beim ersten Anlaufin unzcitigcS Bäumen oder sie vergalopircn sich. Nur die dressirte Mittel-mäßigkeit erreicht das Ziel. Daß ein Pegasus beim parlamentarischen Nen-nen kaum zugelassen wird und tausenderlei Ungunst zu erfahren hat, verstehtsich von selbst; denn der Unglückselige hat Flügel und könnte sich einst höheremporschwingen als dcr Plafond des Palais Bourbon gestattet. Eine merk-würdige Erscheinung, daß unter den Wettrennen; fast ein Dutzend von ara-bischer, oder um noch deutlicher zu sprechen, von semitischer Race. Doch wasgeht das uns an! Uns intcresstrt nicht dieser mäkelnde Lärm, dieses Stampfenund Wiehern dcr Selbstsucht, dieses Getümmel dcr schäbigsten Zwecke, die sichmit den brillantesten Farben geschmückt, das Geschrei dcr Stallknechte und derstäubende Mist uns kümmert blos zu erfahren: werden die Wahlen zuGunsten oder zum Nachtheil des Ministeriums ausfallen? Man kann hier-über noch nichts Bestimmtes melden. Und doch ist das Schicksal Frankreichsund vielleicht dcr ganzen Welt von dcr Frage abhängig, ob Guizot in dcr neuenKammer die Majorität behalten wird oder nicht. Hiermit will ich keineswegsdcr Vermuthung Raum geben, als könnten unter den neuen Dcpntirten sichganz gewaltige Eisenfresser aufthun und die Bewegung aufs höchste treiben.Nein, diese Ankömmlinge werden nur klingende Worte zu Markte bringen