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Philosophie von Kant bis auf die heutige Stunde, mit besonderer Berücksichti-gung des crstcren, des -großen Immanuel Kant, von dem die Franzosen soviel reden gehört, daß sie schier neugierig geworden. Einst wollte sogar Na-poleon sich über die Kant'sche Philosophie unterrichten, und er beauftragteirgend einen französischen Gelehrten, ihm ein RcsumS derselben zu liefern,welches aber auf einige Quartsciten zusammengedrängt sein müsse. Fürstenbrauchen nur zu befehlen. Das Ncsumo ward unverzüglich und in vorge-schriebener Form angefertigt. Wie cS ausfiel, weiß der liebe Himmel, undnur so viel ist mir bekannt, daß der Kaiser, nachdem er die wenigen Quart-sciten aufmerksam durchgelesen, die Worte aussprach: „alles dieses hat keinenpraktischen Werth, und die Welt wird wenig gefördert durch Menschen wieKant, Cagliostro, Swedenborg und Philadelphia."—Die große Menge inFrankreich hält Kant noch immer für einen ucblichtcn, wo nicht gar benebeltenSchwärmer, und noch jüngst las ich in einem französischen Romane diePhrase: lo vagno mMi<zuo cko Kant. Einer der größten Philosophen derFranzosen ist unstreitig Pierre Leroux, und dieser gestand mir vor sechs Jah-ren: erst anS der Allcmagne von Henri Heine habe er die Einsicht gewonnen,daß die deutsche Philosophie nicht so mystisch und religiös sei wie man dasfranzösische Publicum bisher glauben machte, sondern im Gcgcnthcil sehr kalt,fast frostig abstract und ungläubig bis zur Negation des Allerhöchsten.
In der erwähnten Sitzung der Acadcmic gab uns Mignct, der Secrctaireperpetucl, eine klotioe bistoriguo über das Leben und Wirken des verstorbe-nen Dcstutt de Tracy. Wie in allen seinen Erzeugnissen beurkundete Mignctauch hier sein schönes großes Darstcllungstalcnt, seine bewunderungswürdigeKunst des Nuffasscns aller charakteristischen Zcitmomente und Lebensverhält-nisse, seine heitere klare Verständlichkeit. Seine Rede über Destutt de Tracyist bereits im Druck erschienen und es bedarf also hier keines ausführlichenReferats. Nur beiläufig will ich einige Bemerkungen hinwerfen, die sich mirbesonders aufdrängten, während Mignct das schöne Leben jenes Edelmannserzählte, der dem stolzesten Feudaladcl entsprossen und während seiner Jugendein wackerer Soldat war, aber dennoch mit großmüthigster Selbstverläugnungund Selbstaufopferung die Partei des Fortschrittes ergriff und ihr bis zumletzten Athcmzug treu blieb. Derselbe Manu, der mit Lafayctte in den acht-ziger Jahre» für die Sache der Freiheit Gut und Blut einsetzte, fand sich mitdem alten Freunde wieder zusammen am 29. Juli 1839 bei den Barricadenvon Paris, unverändert in seinen Gesinnungen; nur seine Augen waren er-loschen, sein Herz war licht und jung geblieben. Der französische Adel hatsehr viele, erstaunlich viele solcher Erscheinungen hervorgebracht, und das Volkweiß es auch, und diese Edelleute, die seinen Interessen solche Ergebenheit be-wiesen, nennt es los Kons nobles. Mißtrauen gegen den Adel im Allgcmci-
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