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Thür hinausgcschleppt wirb. Ich weiß nicht, ob diese Definition hinlänglichbelchrsam, aber es ist auch gar nicht nöthig, baß man in Deutschland ganzgenau erfahre, was der französische Cancan ist. Soviel wird schon aus jenerDefinition zu merken sein, daß die vom seligen Vcstris angepriesene Tugendhier kein nothwcndigcS Requisit ist, und daß das französische Volk sogar beimTanzen von der Polizei incommodirt wird. Ja, dieses letztere ist ein sehr son-derbarer Ucbelstand, und jeder denkende Fremde muß sich darüber wundern,daß in den öffentlichen Tanzsälcn bei jeder Quadrille mehre Polizciagcntenoder Cvmmunalgardistcil stehen, die mit finster catonischcr Miene die tanzendeMoralität bewachen. Es ist kaum begreiflich, wie das Volk unter solcherschmählichen Tontrolc seine lachende Heiterkeit und Tanzlust behalt. Diesergallische Leichtsinn aber macht eben seine vergnügtesten Sprünge, wenn er inder Zwangsjacke steckt, und obgleich das strenge Polizciauge es verhütet, daßder Cancan in seiner cpnischcn Bestimmtheit getanzt wird, so wissen doch dieTänzer durch allerlei ironische Entrechats und übertreibende Anstandsgestcnihre verpönten Gedanken zu offenbare», und die Verschleierung erscheint als-dann noch unzüchtiger als die Nacktheit selbst. Meiner Ansicht nach ist cS fürdie Sittlichkeit von keinem großen Nutzen, daß die Regierung mit so vielemWaffcngcpränge bei dem Tanze des Volks intcrvenirt; das Verbotene reizteben am süßesten, und die raffinirtc, nicht selten geistreiche Umgehung der Ccn-sur wirkt hier noch verderblicher als erlaubte Brutalität. Diese Bewachungder Volkslust charakterisiert übrigens de» hiesigen Zustand der Dinge und zeigt,wie weit es die Franzosen in der Freiheit gebracht haben.
ES sind aber nicht blos die geschlechtlichen Beziehungen, die auf den PariserBastringucn der Gegenstand ruchloser Tänze sind. Es will mich manchmalbcdünkcn, als tanze man dort eine Verhöhnung alles dessen, was als dasEdelste und Heiligste im Leben gilt, aber durch Schlauköpfe so oft ausgebeutetund durch Einfaltspinsel so oft lächerlich gemacht worden, daß das Volk nichtmehr wie sonst daran glauben kann. Ja, es verlor den Glauben an jenenHochgedankcn, wovon unsere politische» und literarische» Tartuffe so viel sin-gen und sagen; und gar die Großsprechereien der Ohnmacht verleideten ihmso sehr alle idealen Dinge, daß es nichts anderes mehr darin sieht, als die hohlePhrase, als die sogenannte Blaguc, und wie diese trostlose Anschauungsweisedurch Robert Macaire rcpräsentirt wird, so gibt sie sich doch auch kund in demTanz des Volks, der als eine eigentliche Pantomime des Robcrt-Macaircthumszu betrachten ist. Wer von letztcrem einen ungefähren Begriff hat, begreiftjetzt jene unaussprechlichen Tänze, welche, eine gctanzte Persiflage, nicht bloSdie geschlechtlichen Beziehungen verspotten, sondern auch die bürgerlichen, son-dern auch alles was gut und schön ist, sondern auch jede Art von Begeisterung,die Vaterlandsliebe, die Treue, den Glauben, dic Familicngcfühlc, den Herois-