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große VcstriS hat einst ein Wort gesagt, worüber bereits viel gelacht worden.In seiner pathetischen Weise sagte er nämlich zu einem seiner Jünger: „eingroßer Tänzer muß tugendhaft sein." Sonderbar! der große VestriS liegtschon seit vierzig Jahren im Grab (er hat das Unglück dcS Hauses Vonrbon,womit die Familie BestriS immer sehr befreundet war, nicht überleben können),und erst vorigen Deccmber, als ich der Eröffnungssitzung der Kammern bei-wohnte und träumerisch mich meinen Gedanken überließ, kam mir der seligeVcstriS in den Sinn, und wie durch Inspiration begriff ich plötzlich die Be-deutung seines tiefsinnigen Wortes: „ein großer Tänzer muß tugendhaftsein!"
Von den diesjährigen GcscllschaftSbällcn kann ich wenig berichten, da ichbis jetzt nur wenige Soirsen mit meiner Gegenwart beehrt habe. Dieses ewigeEinerlei fängt nachgerade an mich zu ennuyircn, und ich begreife nicht wie einMann es auf die Länge aushalten kann. Von Frauen begreife ich cS sehrgut. Für diese ist der Putz, den sie auskramen können, das wesentlichste.Die Vorbereitungen zum Ball, die Wahl der Robe, das Ankleiden, das Fri-sirtwcrden, das Probelächeln vor dem Spiegel, kurz Flitterstaat und Gefall-sucht sind ihnen die Hauptsache und gewähren ihnen die genußreichste Unter-haltung. Aber für unS Männer, die wir nur demokratisch schwarze Fräckeund Schuhe anziehen, (die entsetzlichen Schuhe!) — für uns ist eine Soirsenur eine unerschöpfliche Quelle der Langeweile, vermischt mit einigen GläsernMandelmilch und Himbeersaft. Von der holden Musik will ich gar nichtreden. Was die Bälle der vornehmen Welt noch langweiliger macht als sievon Gott- und Rechtswegen sein dürften, ist die dort herrschende Mode, daßman nur zum Scheine tanzt, daß man die vorgeschriebenen Figuren nur gehendcrccutirt, daß man ganz gleichgültig, fast verdrießlich die Füße bewegt. Keinerwill mehr den andern amllsiren, und dieser Egoismus beurkundet sich auch imTanze der heutigen Gesellschaft.
Die untern Clafsen, wie gerne sie auch die vornehme Welt nachäffen, habensich dennoch nicht zu solchem selbstsüchtigen Schcintanz verstehen können; ihrTanzen hat noch Realität, aber leider eine sehr bedauernswürdige. Ich weißkaum wie ich die cigcnthümlichc Betrübniß ausdrücken soll, die mich jedesmalergreift, wenn ich an öffentlichen Bclustigungsorten, namentlich zur Carne-valSzeit, das tanzende Volk betrachte. Eine kreischende, schrillende, übertrie-bene Musik begleitet hier einen Tanz, der mehr oder weniger an den Cancanstreift. Hier höre ich die Frage: was ist der Cancan? Heiliger Himmel,ich soll für die Allgemeine Zcitnng eine Definition des Cancan geben! Wohl-an: der Cancan ist ein Tanz, der nie in ordentlicher Gesellschaft getanzt wird,sondern nur auf gemeinen Tanzböden, wo derjenige, der ihn tanzt, oder die-jenige, die ihn tanzt, unverzüglich von einem Polizeiagcnten ergriffen und zur