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zweifle, ob ihm dort irgend ein runenkundigcr Zauberer jene Strömkarlmclo-die gelehrt, wovon man nur zehn Variationen aufzuspielen wagt; es gicbtnämlich noch eine elfte Variation, die großes Unglück anrichten könnte: spieltman diese, so gcräth die ganze Natur in Aufruhr, die Berge und Felsen fan-gen an zu tanzen, und die Hänser tanzen und drinnen tanzen Tisch undStühle, der Großvater ergreift die Großmutter, der Hund ergreift die Katzezum Tanzen, selbst das Kind springt aus der Wiege und tanzt. Nein, solchegcwaltthätige Melodien hat Hr. Adam nicht von seiner nordischen Reise heim-gebracht ; aber was er geliefert, ist immer chrenwcrth, und er behauptet eineausgezeichnete Stellung unter den Tondichtern der französischen Schule.
Ich kann nicht umhin hier zu erwähnen, daß die christliche Kirche, die alleKünste in ihren Schooß aufgenommen und benutzt hat, dennoch mit der Tanz-kunst nichts anzufangen wußte und sie verwarf und verdammte. Die Tanz-kunst erinnerte vielleicht allzusehr au den alten Tcmpeldicnst der Heiden, sowohlder römischen Heiden als der germanischen und ccltischcn, deren Götter ebenin jene clfenhaftcn Wesen übergingen, denen der Volksglaube, wie ich obenandeutete, eine wundersame Tanzsucht zuschrieb. Uebcrhaupt ward der böseFeind am Ende als der eigentliche Schutzpatron des Tanzes betrachtet, und inseiner frevelhaften Gemeinschaft tanzten die Hexen und Hexenmeister ihrenächtlichen Reigen. Der Tanz ist verflucht, sagt ein fromm brctonischcö Volks-lied, seit die Tochter der Hcrodias vor dem argen Konige tanzte, der ihr zuGefallen Johanncm tödtcn ließ. „Wenn du tanzen siehst, fügt der Sängerhinzu, so denke an das blutige Haupt des Täufers auf der Schüssel, und dashöllische Gelüste wird deiner Seele nichts anhaben können!" Wenn mauüber den Tanz in der Acadcmie Nopale de Musiguc etwas tiefer nachdenkt, soerscheint er als ein Versuch, diese crzhcidnischc Kunst gewissermaßen zu chri-stianisircn, und das französische Ballet riecht fast nach gailicanischcr Kirche, wonicht gar nach JanscniSmuS, wie alle Knnsterscheinungcn des großen Zeital-ters Ludwigs XIV. Das französische Ballet ist in dieser Beziehung ein wahl-verwandtes Scitcnstllck zu der Racine'schcn Tragödie und den Gärten vonLe Nütrc. ES herrscht darin derselbe geregelte Zuschnitt, dasselbe Etikcttcn-maß, dieselbe höfische Kühle, dasselbe gezierte Sprödethun, dieselbe Keuschheit.In der That, die Form und das Wesen des französischen Ballets ist keusch,aber die Augen der Tänzerinnen machen zu den sittsamsten Pas einen sehrlasterhaften Commentar, und ihr liederliches Lächeln ist in beständigem Wider-spruch mit ihren Füßen. Wir sehen das Entgegengesetzte bei den sogenanntenNationaltänzcn, die mir deshalb tausendmal lieber sind als die Ballcte dergroßen Oper. Die Nationaltänze sind oft allzu sinnlich, fast schlüpfrig inihren Formen, z. B. die indischen, aber der heilige Ernst auf den Gesichternder Tanzenden moralisirt diesen Tanz und erhebt ihn sogar zum Cnltns. Der