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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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dcr sterbende Richelieu, welcher mit seinen beiden Schlachtopfern, den zumTode vcrurthcilten Rittern Saint-MarS und de Thon, in einem Boote dieRhone hinabsähet. Die beiden Königskindcr, die Richard III, im Towerermorden läßt, sind das Nnmnthigstc, was Dclaroche gemalt und als Kupfer-stich in bemeldctcr Kunsthandlung herausgegeben. In diesem Augenblick läßtdieselbe ein Bild von Dclaroche stechen, welches Maria Antoinette im Tcmpcl-gcfängnifsc vorstellt; die unglückliche Fürstin ist hier äußerst ärmlich fast wieeine Frau aus dem Volke gekleidet, was gewiß dem edlen Faubourg die legi-timsten Thräncn entlocken wird. Eins dcr Haupt-Riihrungswcrke von Dc-laroche, welches die Königin Jeanne Grcy vorstellt, wie sie im Begriff ist, ihrblondes Köpfchen auf den Block zu legen, ist noch nicht gestochen und sollnächstens ebenfalls erscheinen. Seine Maria Stuart ist auch noch nicht ge-stochen. Wo nicht das beste, doch gewiß das cffcctvollste, was Dclaroche ge-liefert, ist sein Cromwcll, welcher den Sargdeckel aufhebt von dcr Leiche desenthaupteten Karl I,, ein berühmtes Bild, worüber ich vor geraumer Zeit aus-führlich berichtete. Auch der Kupferstich ist ein Meisterstück technischer Boll-endung. Eine sonderbare Vorliebe, fa Idiosynkrasie bekundet Dclaroche indcr Wahl seiner Stoffe. Immer sind es hohe Personen, die entweder hin-gerichtet werden, oder wenigstens dem Henker verfallen. Herr Dclaroche istder Hofmaler aller geköpften Majestäten. Er kann sich dem Dienst solchererlauchten Delinquenten niemals ganz entziehen, und sein Geist beschäftigt sichmit ihnen selbst bei Portraitirung von Potentaten, die auch ohne scharfrichtcr-liche Beihlllfe das Zeitliche segneten. So z. B. auf dem Gemälde seinersterbenden Elisabeth von England sehen wir, wie die greise Königin sich vcr-zweiflungsvoll auf dem Estrich wälzt, in dieser Todesstunde gequält von dcrErinnerung an den Grafen Essex und Maria Stuart, deren blutige Schat-ten ihr stieres Auge zu erblicken scheint. Das Gemälde ist eine Zierde dcrLurcmbourg-Gallcrie, und ist nicht so schauderhaft banal oder banal schauder-haft, wie die andern erwähnten historischen Genrebilder, LieblingSstücke dcrBourgeoisie, dcr wackcrn, ehrsamen Bürgersleute, welche die Ucberwindungder Schwierigkeiten für die höchste Aufgabe dcr Kunst halten, das Grausigemit dem Tragischen verwechseln und sich gern erbauen an dem Anblick gefal-lener Größe, im süßen Bewußtsein, daß sie vor dergleichen Katastrophen ge-sichert sind in der bescheidenen Dunkelheit einer arribrs-bonti-zne der ruoLt. Denis,