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Vergangenheit gewaltsam abgeschnitten wnrdc mit frevelhaftem Beil. —Zittert und wackelt vielleicht wirklich der große Obelisk, weil es ihm graut,sich auf solchem gottlosen Boden zu befinden, er, der gleichsam ein steinernerSchweizer in Hicroglypphcn-Livrce Jahrtausende lang Wache hielt vor denheiligen Pforten der Pharaoncngräbcr und des absoluten Mumicuthums?Jedenfalls steht er dort sehr isolirt, fast komisch isolirt, unter lauter theatrali-schen Architekturen der Neuzeit, Bildwerken in Nococogcschmack, Spring-brunnen mit vergoldeten Najaden, allegorischen Statuen der französischenFlusse, deren Picdestal eine Portierloge enthält, in der Mitte zwischen demArc-de-Triumphe, den Tuilericn und der Chambre des Dcputös — ungefährwie der saccrdotal tiefsinnige, ägyptisch steife und schweigsame Guizot zwischendem imperialistisch rohen Soult, dem mercantilisch flachköpfigcn Human, unddem hohlen Schwätzer Villemain, der halb voltairisch und halb katholisch an-gestrichen ist und in jedem Fall einen Strich zu viel hat.
Doch laßt uns Guizot bei Seite setzen und nur von dem Obelisken reden:es ist ganz wahr, daß man von seinem baldigen Sturze spricht. Es heißt:im stillen Sonnenbrand am Nil, in seiner hcimathlichcn Ruhe und Einsam-keit, hätte er noch Jahrtausende aufrecht stehen bleiben können, aber hier inParis agitirte ihn der beständige Wetterwechsel, die fieberhaft aufreibende,anarchische Atmosphäre, der unaufhörlich wehende scuchtkaltc Kleinwind, wel-cher die Gesundheit weit mehr angreift, als der glühende Samum der Wüste;kurz die Pariser Luft bekomme ihm schlecht. Der eigentliche Nival des Obe-lisken von Luxor ist noch immer die Colonnc Vcndomc. Steht sie sicher?Ich weiß nicht, aber sie steht auf ihrem rechten Platze, in Harmonie mit ihrerUmgebung. Sic wurzelt treu im nationalen Boden und wer sich daran hält,hat eine feste Stütze. Eine ganz feste ? Nein, hier in Frankreich steht nichtsganz fest. Schon einmal hat der Sturm das Capital, den eisernen Capital -mann, von der Spitze der Vcndomcsäulc herabgcrisscu, und im Fall die Com-munistcn ans Regiment kämen, dürfte wohl zum zwcitcumalc dasselbe sich er-eignen, wenn nicht gar die radicale Glcichhcitsrascrei die Säule selbst zuBoden reißt, damit auch dieses Denkmal und Sinnbild der Ruhmsucht vonder Erde schwinde: kein Mensch und kein Mcnschenwcrk soll über ein be-stimmtes Communalmaß hervorragen, und der Baukunst eben so gut wie derepischen Poesie droht der Untergang. „Wozu noch ein Monument für ehr-geizige Völkermörder," hörte ich jüngst ausrufen bei Gelegenheit des Mo-dellconcurseS für das Mausoleum des Kaisers, „das kostet das Geld des dar-benden Volkes, und wir werden es ja doch zerschlagen, wenn der Tag kommt!"Ja, der tobte Held hätte in St. Helena bleiben sollen, und ich will ihm nichtdafür stehen, daß nicht einst sein Grabmal zertrümmert und seine Leiche in denschönen Fluß geschmissen wird, an dessen Ufern er so sentimental ruhen wollte,