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absonderlich Herrn Guizot zuschreibt? Ich kann ihnen keinen Glauben schen-ken. Guizot ist der Mann des Widerstandes, aber nicht der Ncaction.Und seid überzeugt, daß man ihn ob seines Widerstandes nach oben schonlängst verabschiedet hätte, wenn man nicht seines Widerstandes nach untenbedürfte. Sein eigentliches Geschäft ist die thatsächliche Erhaltung jenesRegiments der Bourgeoisie, das von den marodircndcn Nachzüglern der Ver-gangenheit eben so grimmig bedroht wird, wie von der plündcrungssüchtigcnAvantgarde der Zukunft. Herr Guizot hat sich eine schwierige Aufgabe ge-stellt, und niemand weiß ihm Dank dafür. Am undankbarsten wahrlich zeigensich gegen ihn eben jene guten Bürger, die seine starke Hand schirmt undschützt, denen er aber nie vertraulich die Hand giebt, und mit deren kleinlichenLeidenschaften er nie gemeinschaftliche Sache macht. Sie lieben ihn nicht,diese Spießbürger, denn er lacht nicht mit ihnen über Voltaire'sche Witze, erist nicht industriell und tanzt nicht mit ihnen um den Maibaum der Lloirv!Er trägt das Haupt sehr hoch, und ein melancholischer Stolz spricht aus allenseinen Zügen: „Ich könnte vielleicht etwas Besseres thun, als für diesesLumpenpack in mühsamen Tageskämpfcn mein Leben vergeuden!" Das istin der That der Mann, der nicht sehr zärtlich um Popularität buhlt, undsogar den Grundsatz aufgestellt hat: daß ein guter Minister unpopulair seinmüsse. Er hat nie der Menge gefallen wollen, sogar nicht in jenen Tagender Restauration, wo er als gelehrter Volkstribun am herrlichsten gefeiertwurde. Als er in der Sorbonne seine denkwürdigen Vorlesungen hielt undder Beifall der Jugend sich ein Bischen allzu stürmisch äußerte, dämpfte erselber diesen huldigenden Lärm, mit den strengen Worten: „meine Herren,auch im Enthusiasmus muß die Ordnung vorwalten!" Ordnungsliebe istüberhaupt ein vorstechender Zug des Guizot'schen Charakters, und schon ausdiesem Grunde wirkte sein Ministerium sehr wohlthätig in die Confnsion derGegenwart. Man hat ihn wegen dieser Ordnungsliebe nicht selten der Pe-dantcrci beschuldigt, und ich gestehe, der schroffe Ernst seiner Erscheinung wirdgemildert durch eine gewisse anklebende gelehrte Magistcrhaftigkeit, die an unsrcdeutsche Hcimath, besonders an Göttingen erinnert. Er ist eben so wenigreactionair wie Hofrath Heeren, Tychsc» oder Eichhorn solches gewesen—aberer wird nie erlauben, daß man die Pedelle prügle oder sich sonstig auf derWccndcrstraße herumbalge und die Laternen zerschlage.