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35.
Paris, dcn 19. Mai 1811.
Vorigen Sonnabend hielt diejenige Sectio» des Jnstitut-ropal, welche sichaoaclewie äs svienoes mornles et xolitiizues nennt, eine ihrer merkwürdig-sten Sitzungen. Der Schauplatz war, wie gewöhnlich, jene Halle des PalaisMazarin, die durch ihre hohe Wölbung, sowie dnrch das Personal, das manch-mal dort seinen Sitz nimmt, so oft an die Kuppel des JnvalidcndomS erin-nerte. In der That, die andern Sektionen des Instituts, die dort ihre Vor-träge halten, zeugen nur von greisenhafter Ohnmacht, aber die oben erwähntencackämis ckos soisoevs morales et xoUticzuoz macht eine Ausnahme undträgt den Charakter der Frische und Kraft. Es herrscht in dieser letzten Sec-tio» ein großartiger Sinn, während die Einrichtung und der GesammtgeistdcS Jnstitut-royal sehr kleinlich ist. Ein Witzling bemerkte sehr richtig: dies-mal ist der Thcil größer als das Ganze. In der Versammlung vom vorigenSonnabend athmctc eine ganz besonders jugendliche Regung: Cousin, weicherpräsidirte, sprach mit jenem muthigcn Feuer, das manchmal nicht sehr wärmt,aber immer leuchtet; und gar Mignct, welcher das Gcdächtniß des verstorbe-nen Merlin de Douai, des berühmten Juristen und Convcntgliedcs zu feiernhatte, sprach so blühend schön wie er selbst aussieht. Die Damen, die dcnSitzungen der Leetion ckes soienoes moralss et xolitigues immer in großerAnzahl beiwohnen, wenn ein Vortrag des schönen seerütairo xerxstuol an-gekündigt ist, kommen dorthin vielleicht mehr um zu sehen als um zu hören,und da viele darunter sehr hübsch sind, so wirkt ihr Anblick manchmal störendauf die Zuhörer. WaS mich betrifft, so fesselte mich diesmal der Gegenstandder Mignct'schen Rede ganz ausschließlich, denn der berühmte Geschichtschrci-bcr der Revolution sprach wieder über einen der wichtigsten Führer der großenBewegung, welche das bürgerliche Leben der Franzosen umgestaltet, und jedesWort war hier ein Resultat interessanter Forschung. Ja, das war dieStimme des Gcschichtschrcibers, des wirklichen Chefs von Klio's Archiven,und es schien, als hielt er in den Händen jene ewigen Tabletten, worin diestrenge Göttin bereits ihre UrthcilSsprüche eingezeichnet. Nur in der Wahlder Ausdrücke und in der mildernden Betonung bekundete sich manchmal dietraditionelle Lobpflicht des Acadcmikcrs. Und dann ist Mignct auch Staats-mann, und mit kluger Scheu mußten die TagcSvcrhältnifse berücksichtigt wer-den bei der Besprechung der jüngsten Vergangenheit. Es ist eine bedenklicheAufgabe, dcn überstaudencn Sturm zu beschreiben, während wir noch nicht indcn Hafen gelangt sind. Das französische Staatsschiff ist vielleicht noch nichtso wohl geborgen wie der gute Mignct meint. Unfern vom Redner, auf einer