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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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befragte, was er von Meycrbccrs Opern halte, soll Hilter ausweichend ver-drießlich geantwortet haben: Ach, laßt uns nicht von Politik reden!

34.

Paris, 2S. April 18ä1.

Ein eben so bedeutungsvolles wie trauriges Ercigniß ist das Verbiet derJury, wodurch der Rcdacteur des JournalsLa France" von der Anklageabsichtlicher Beleidigung des Königs freigesprochen wurde. Ich weiß wahrlichnicht, wen ich hier am meisten beklagen soll! Ist es jener König, dessen Ehredurch verfälschte Briefe befleckt wird, und der dennoch nicht wie jeder Anderesich in der öffentlichen Meinung rchabilitircn kann? Was jedem Andern insolcher Bcdrängniß gestattet ist, bleibt ihm grausam versagt. Jeder Andere,der sich in gleicher Weise, durch falsche Briese von landeSverräthcrischcm In-halt, dem Publicum gegenüber blosgestellt sähe, könnte eS dahin bringen, sichförmlich in Anklagestand sehen zu lassen, und in Folge seines Proccsscs dieUnechthcit jener Briese ausS bündigste zu erweisen. Eine solche Ehrenrettunggiebt es aber nicht für dm König, den die Verfassung für nnverlchlich erklärtund nicht persönlich vor Gericht zu stellen erlaubt. Noch weniger ist ihm dasDuell gestattet, das Gottcsurtheil, das in Ehrensachen noch immer eine gewissejnstificircndc Geltung bewahrt: Ludwig Philipp muß ruhig auf sich schießenlassen, darf aber nimmermehr selbst zur Pistole greisen, um von seinen Belei-digern Genugthuung zu fordern. Eben so wenig kann er im üblich patzigenStyle eine abgedrungcne Erklärung gegen seine Verleumder in den respcctivenLandeszeitnngen inserircn lassen: denn ach! Könige, wie große Dichter, dür-fen sich nicht ans solchem Wege vcrthcidigen und müssen alle Lügen, die manüber ihre Person verbreitet, mit schweigender Langmuth ertragen. In derThat, ich hege das schmerzlichste Mitgefühl für den königlichen Dulder, dessenKrone nur eine Zielscheibe der Verleumdung, und dessen Sccptcr, wo es eigeneVcrthcidigung gilt, minder brauchbar wie ein gewöhnlicher Stock. Odersoll ich noch weit mehr Euch bedauern, Ihr Legitimistcn, die Ihr Euch als dieanscrwählten Paladine des Royalismus gcberdct und dennoch in der PersonLudwig Philipps das Wesen des KönigthnmS, das königliche Ansehen, herab-gewürdigt habt? Jedenfalls habe ich Mitleid mit Euch, wenn ich an dieschrecklichen Folgen denke, die Ihr durch solchen Frevel zunächst auf Eure eig-nen thörichten Häupter hcrabruft! Mit dem Umsturz der Monarchie harretEuer wieder daheim das Beil und in der Fremde der Bettelstab. Ja, EuerSchicksal wäre jetzt noch weit schmählicher als in früheren Tagen: Euch, diegefoppten Compdres Eurer Henker, würde man nicht mehr mit wildem Zorn