— 302 —
Corridor, und ein Börsenspekulant, dcr in demselben Augenblick vorbei ging,zog ehrfurchtsvoll seinen Hut ab vor dem mächtigen Topfe. So weit geht,mit Rcspcet zu sagen, dcr Respekt gewisser Leute. Ich merkte mir de» Namenjenes devoten Mannes, und ich bin überzeugt, daß er mit der Zeit ein Mil-lionair sein wird. Als ich einst dem Herrn erzählte, daß ich mit dem BaronRothschild in den Gemächern seines ComptvircS en kainille zu Mittag gespeist,schlug jener mit Erstaunen die Hände zusammen, und sagte mir, ich hätte hiereine Ehre genossen, die bisher nur den Rothschilds von Geblüt oder allenfallseinigen regierenden Fürsten zu Theil geworden, und die er selbst mit dcr Hälfteseiner Nase einkaufen würde. Ich will hier bemerken, daß die Nase desHerrn selbst wenn er die Hälfte einbüßte, dennoch eine hinlängliche Längebehalten würde.
DaS Comptoir des Herrn von Rothschild ist sehr weitläufig, ein Labyrinthvon Sälen, eine Kaserne des Ncichthums; das Zimmer, wo dcr Baron vonMorgen bis Abend arbeitet — er hat ja nichts andres zu thun als zu arbei-te»— ist jüngst sehr verschönert worden. Auf dem Kamm steht seht dieMarmorbüstc des Kaisers Franz von Oesterreich, mit welchem das HausRothschild die meisten Geschäfte gemacht hat. Der Herr Baron will über-haupt aus Pietät die Büsten von allen europäischen Fürsten anfertigen lassen,die durch sein Haus ihre Anleihen gemacht, und diese Sammlung von Mar-morbüstc» wird eine Walhalla bilden, die weit großartiger sein dürfte, als dieNegcnSburger. Ob Herr Rothschild seine Walhallagcnosscn in Reimen oderim ungereimten königlich bairischen Lapidarstil feiern wird, ist mir unbekannt.
3Z.
Paris, den 20. April 1841.
Der diesjährige Salon offenbarte nur eine buutgefarbte Ohnmacht. Fastsollte man meinen, mit dem Wicderaufblllhen dcr bildenden Künste habe eSbei nns ein Ende; es war kein neuer Frühling, sondern ein leidiger Altwei-bersommer. Einen freudigen Aufschwung nahm die Malerei und die Skulp-tur, sogar die Architektur, bald nach der Juliusrevolution; aber die Schwingenwaren nur äußerlich angeheftet, und auf den forcirten Flug folgte der kläg-lichste Sturz. Nur die junge Schwestcrkunst, die Musik, hatte sich mitursprünglicher, eigcnthümlichcr Kraft erhoben. Hat sie schon ihren Lichtqipfclerreicht? Wird sie sich lange darauf behaupten? Oder wird sie schnell wiederherabsinken? Das sind Fragen, die nur ein späteres Geschlecht beantwortenkann. Jedenfalls hat eS aber den Anschein, als ob in den Annalen dcr Kunst