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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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nicht l'los für die erwähnten Großmächte, sondern für und alle, für den Klein-sten wie für den Größten, für Rcuß-Schlciz-Grciz und Hintcrpommern ebenso gut wie für das allmächtige Oesterreich, für den geringsten Schuhflickcr wiefür den reichen Ledcrfabrikantcn ; denn das Schicksal der Weit selbst steht hierin Frage, und diese Frage muß an den Dardanellen gelöst werden, gleichvielin welcher Weise. So lange dieses nicht geschehen, kränkelt Europa an einemheimlichen Ucdcl, das ihm keine Nuhe läßt, und das, je später, desto entsetz-licher, am Ende zum Ausbruch kommt. Die Dardanellenfrage ist nur einSymptom der orientalischen Frage selbst, der türkischen Erbschaftsfragc, desGrundübcls woran wir siechen, dcö KrankhcitSstoffs der im europäischenStaatskörper gahrt und der leider nur gewaltsam ausgeschieden, vielleicht nurmit dem Schwerte ausgeschnitten werden kann. Wenn sie auch von ganzandern Dingen sprechen, so schielen doch alle Machthaber nach den Dardanel-len, nach der hohen Pforte, nach dem alten Bpzanz, nach Stambul, nachKonstantinopcl das Gcbrcstc hat viele Namen. Wäre im europäischenStaatsrechte das Princip der VolkSsouvcrainetät sanctionirt, so könnte dasZusainmcnbrcchcn des oSmannischcn Kaiscrthums nicht für die übrige Welt sogefährlich sein, da alsdann in dem aufgelösten Reiche die einzelnen Völker sichbald ihre besonder» Regenten selbst erwählen und sich so gut als möglich fort-rcgiercn lassen würden. Aber im allergrößten Thcil Europas herrscht nochdas Dogma des Absolutismus, wonach Land und Leute das Eigcnthum desFürsten sind, und dieses Eigcnthum durch das Recht des Stärkcrn, durch dieultima ratio regis, das Kanoncnrccht, erwcrbbar ist. Was Wunder, daßkeiner der hohen Potentaten den Russen die große Erbschaft gönnen wird, undjeder ein Stück von dem morgcnländischen Kuchen haben will; jeder wirdAppetit bekommen, wenn er sieht, wie die Barbaren des Nordens sich gütlichthun und der kleinste deutsche Duodez-Fürst wird wenigstens auf ein BicrgeldAnspruch machen. DaS sind die menschlichen Antriebe, weshalb der Unter-gang der Türkei für die Welt verderblich werden muß. Die politischen Be-weggründe, warum hauptsächlich England, Frankreich und Oesterreich nichterlauben können, daß Nußland sich in Konstantinopel festsetze, sind jedemSchulknaben einleuchtend.

Der Ausbruch eines Krieges, der in der Natur der Dinge liegt, ist aber vorder Hand vertagt. Kurzsichtige Politiker, die nur zu Palliativen ihre Zufluchtnehmen, sind beruhigt und hoffen ungetrübte Fricdcnstagc. Besonders unsrcFinancicrs sehen wieder alles im lieblichsten Hoffnungslichtc. Auch der größtederselben scheint sich solcher Täuschung hinzugeben, aber nicht zu jeder Stunde.Herr von Rothschild, welcher seit einiger Zeit etwas unpäßlich schien, ist jetztwieder ganz hergestellt, und sieht gesund und wohl aus. Die Zcichcndeuterder Börse, welche sich auf die Physiognomie des großen Barons so gut ver-