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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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recht gut, daß die alte Frau capabcl wäre, ihm selber den Kopf abschlagen zulassen. Sic ist nämlich nicht von sanftem Naturell; ein Berliner würdesagen: sie hat kein Gemüth. Wenn die Herren Söhne sie zuweilen schlechtbehandeln, so muß man nicht vergessen, daß sie selber, die alte Frau, für ihreKinder niemals dauernde Zärtlichkeit bewiesen und die besten immer ermor-det hat.

32.

Paris, den 31. März 18-11.

Die Debatten in der Dcputirtcnkammer über das literarische Eigcnthumsind sehr unersprießlich. ES ist aber jedenfalls ein bedeutendes Zeichen derZeit, daß die heutige Gesellschaft, die auf dem Eigcnthumsrcchte basirt ist,auch den Geistern eine gewisse Thcilnahme an solchem Besihprivilegium ge-statten mochte, aus BilligkcitSgcfühl, oder vielleicht auch als Bestechung!Kann der Gedanke Eigcnthum werden? Ist das Licht das Eigenthum derFlamme, wo nicht gar des Kcrzendochts? Ich enthalte mich jedes UrthcilSüber solche Frage, und freue mich nur darüber, daß Ihr dem armen Dochte,der sich brennend verzehrt, eine kleine Vergütung vcrwilligcn wollt für seingroßes, gcmcinnllhigcs Bcleuchtungsvcrdicnst!

Das Schicksal des Mchcmet Ali wird hier weniger besprochen, als manglauben sollte; doch will es mich bedünkcn, als herrsche in den Gemüthcrn einum so tieferes Mitleid für den Mann, der dem Sterne Frankreichs zu vielvertraut hat. Das Ansehen der Franzosen im Orient geht verloren, unddieser Verlust wirkt auch mißlich auf ihre occidcntalischen Verhältnisse; Sterne,an die man nicht mehr glauben kann, erbleichen. Als die amerikanischenHändel sich so bedenklich gestalteten, ward von englischer Seite die Ausglei-chung der ägyptischen Erblichkeitsfragc aufs emsigste betrieben. Frankreichhatte da leichtes Spiel, zum Besten des Paschas zu agiren; das Ministeriumscheint aber nichts gcthan zu haben, um den gctrcuesten Allürten zu retten.

Die amerikanischen Händel sind cS aber nicht allein, was die Engländerantreibt, die ägyptische Erblichkeitsfrage so bald als möglich abzufertigen undsomit die französische Diplomatie wieder in den Stand zu setzen, an den Bc-rathungcn und Beschlüssen der europäischen Großmächte Thcil zu nehmen.Die Dardanellen-Frage steht drohend vor der Thür, verlangt schnelleEntscheidung, und hier rechnen die Engländer auf die confcrenzielle Stühe desfranzösischen Cabiucts, dessen Interessen bei dieser Gelegenheit mit ihren eige-nen übereinstimmen, Rußland gegenüber.

Ja, die sogenannte Dardanellenfrage ist von der höchsten Wichtigkeit, und