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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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ihn denkt und rechnet: man kann im wahren Sinne des Wortes behaupten,daß sie das Pulver nicht erfunden haben, womit sie auf den König schießen.

Ja, wer in Frankreich das Nationalgcfiihl besitzt und begreift, übt den un-widerstehlichsten Zauber auf die Masse, und kann sie nach Belieben lenken nndtreiben, ihnen das Geld oder das Blut abzapfen, und sie in alle möglichenUniformen stecken, in die Rittcrtracht des Ruhmes oder in die Livröe derKnechtschaft. Das war das Gehcimniß Napoleons, und sein Geschichtschrei-ber Thiers hat cS ihm abgelauscht, abgelauscht mit dem Herzen, nicht mit dembloßen Verstände; denn nur das Gefühl versteht das Gefühl. Thiers ist wahr-haft durchglüht von französischem Nationalgcfiihl, und wer dieses gemerkt hat,versteht seine Macht und Unmacht, seine Jrrthümer und Vorzüge, seine Größeund Kleinheit und sein Anrecht auf die Zukunft. Dieses Nationalgcfiihlerklärt alle Acte seines Ministeriums: hier sehen wir die Translation der kai-serlichen Asche, die glorreichste Feier des HeldenthnmS, neben der kläglichenVertretung jenes kläglichen Konsuls von DamascuS, welcher mittelalterlicheJustizgräuel unterstützte, aber ein Repräsentant von Frankreich war; hiersehen wir das leichtsinnige Aufbrausen und Alarmschlagen, als der LondonerTractat divulgirt und Frankreich beleidigt ward, und daneben die besonneneActivität der Bewaffnung und jenen colossalcn Entschluß der Fortificationvon Paris. Ja, Thiers war cS, welcher letztere begann, und für dieses Be-ginnen auch nachträglich das Gesetz in der Kammer eroberte. Nie sprach ermit größerer Bercdtsamkcit, nie hat er mit feinerer Taktik einen parlamenta-rischen Sieg erfochten. Es war eine Schlacht, und im letzten Augenblick wardie Entscheidung sehr zweifclhat; aber daS Fcldherrnauge des Thiers entdeckteschnell die Gefahr, die dem Gesetz drohte, und ein improvisirtes Amendementgab den Ausschlag. Ihm gebührt die Ehre des Tages.

ES fehlte nicht an Leuten, die den Eifer, den Thiers für den Gesetzentwurfan den Tag legte, nur egoistischen Motiven zuschrieben. Aber hier war wirk-lich nur der Patriotismus vorwaltend, und ich wiederhole es, Hr. Thiers istdurchdrungen von diesem Gefühle. Er ist ganz der Mann der Nationalität,nicht der Revolution, als deren Sohn er sich gern darstellt. Mit dieser Kind-schaft hat es freilich seine Richtigkeit, die Revolution ist seine Mutter, aberman darf nicht iibcrschwängliche Sympathien daraus herleiten. Thiers liebtzunächst das Vaterland, und ich glaube, er würde diesem Gefühle alle müt-terlichen Interessen aufopfern. Sein Enthusiasmus ist gewiß sehr abgekühltfür den ganzen Freiheitsspectakel, der nur noch als ein verhallendes Echo inseiner Seele nachklingt. Er hat ja als Geschichtschrciber alle Phasen dessel-ben im Geiste mitgelcbt, als Staatsmann mußte er mit der fortgesetzten Be-wegung tagtäglich kämpfen und ringen, und nicht selten mag diesem Sohnder Revolution die Mutter sehr lästig, sehr fatal geworden sein: denn er weiß