beschäftigt sich nicht mehr ausschließlich mit dem heutigen Tage — es denktauch an morgen.
Der Kammcrbcschlnß über die Fortification von Paris beurkundet eine solcheUcbcrgangspcriodc des französischen VolkSgeistcS. Die Franzosen haben inder IchtcnZcit sehr viel gelernt, sie verloren dadurch alle Lust des blinden Hin-auSstürmcnS in die gefährliche Fremde. Sic wollen seht sich selber zu Hauseverschanzen gegen die eventuellen Angriffe der Nachbarn. Auf dem Grabedes kaiserlichen Ablers ist ihnen der Gedanke gekommen, daß der bllrgcr-könig-lichc Hahn nicht unsterblich sei. Frankreich lebt nicht mehr in dem keckenRausche seiner unüberwindlichen Obmacht: cS ward ernüchtert durch dasaschcrmittwochlichc Bewußtsein seiner Bcsiegbarkcit, und ach, wer an den Toddenkt, ist schon halb gestorben! Die Bcfcstigungswcrke von Paris sind viel-leicht der Nicscnsarg, den der Niese sich selbst dccrctirtc, in trüber Ahnung.Es mag jedoch noch eine gute Weile dauern, che seine Sterbestunde schlägt,und manchem Nichtricscn dürfte er zuvor die tödtlichsten Hiebe versehen. Jeden-falls wird er einst durch die klirrende Wucht seines HinsinkcnS den Erdbodenschüttern machen und, noch furchtbarer als im Leben, wird er durch seine post-humen Werke, als nachtwandelndes Gespenst, seine Feinde ängstigen. Ichbin überzeugt, im Fall man Paris zerstörte, würden seine Bewohner, wie einstdie Inden, sich in die ganze Welt zerstreuen und dadurch noch erfolgreicher dieSaat der gesellschaftlichen Umwandlung verbreiten.
Die Befestigung von Paris ist das wichtigste Ereigniß unserer Zeit, unddie Männer, die in der Deputirtcnkammcr dafür oder dagegen stimmten, habenauf die Zukunft den größten Einfluß geübt. An diese enoeints Continus,an diese korts ckstaoüös knüpft sich jetzt das Schicksal des französischen Volks.Werden diese Bauten vor dem Gewitter schützen, oder werden sie die Blihenoch verderblicher anziehen? Werden sie der Freiheit oder der KnechtschaftVorschub leisten? Werden sie Paris vor Ucbcrfall retten, oder dem Zerstö-rungSrcchte des Kriegs unbarmherzig bloSstcllcn? Ich weiß es nicht, denn ichhabe weder Sitz noch Stimme im Rathc der Götter. Aber so viel weiß ich,daß die Franzosen sich sehr gut schlagen würden, wenn sie einst Paris vcrthci-digcn müßten gegen eine dritte Invasion. Die zwei frühem Invasionen wür-den mir dazu gedient haben, den Grimm der Gegenwehr zu steigern. ObParis, wenn eS befestigt gewesen wäre, jene zwei ersten Male widerstandenhätte, wie in der Kammer behauptet ward, möchte ich aus guten Gründen be-zweifeln. Napoleon, geschwächt durch alle möglichen Siege und Niederlagen,war nicht im Stande, dem andrängenden Europa dic Zaubcrmittel jener Idee,,„welche Heere aus dem Boden stampft," entgegenzusehen; er hatte nicht mehrKraft genug, die Fesseln zu brechen, womit er selber jene Idee angekettet; dirAlliirten waren cS, die bei der Einnahme von Paris jene gebundene Idee iv