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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
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wie träumend nach dem Schwerte griff, wenn irgend ein ausgezeichneter Löwedraußen sein kriegerisches Gebrüll vernehmen ließ.Die Araber harren viel-leicht nur des rechten Rufs, um schlasgestärkt wieder aus ihren schwülen Ein-öden hcrvvrznstürmcn, wie ehemals. Wir haben sie aber nicht mehr zufürchten, wie ehemals, wo wir vor den Halbmondstandartcn zitterten, und cSwäre vielmehr ein Glück für uns, wenn Konstantinopel jetzt der Tummelplatzihres GlaubcnSeiferS würde. Dieser wäre das beste Bollwerk gegen jenesmoskowitische Gelüste, das nichts geringeres im Schilde führt, als an denUfern des Bosporus die Schlüssel der Weltherrschaft zu erkämpfen oder zuerschleichen. Welch eine Macht besitzt bereits der Kaiser von Nußland, denman wahrlich bescheiden nennen muß, wenn man bedenkt, wie stolz Andere anseiner Stelle sich gebcrden würden. Aber weit gefährlicher als der Stolz desHerrn ist der KncchtschaftShochmuth seines Volks, das nur in seinem Willenlebt, und mit blindem Gehorsam in der heiligen Machtvollkommenheit desGebieters sich selber zu verherrlichen glaubt. Die Begeisterung für dasrömisch-katholische Dogma ist abgenutzt, die Ideen der Revolution finden nurnoch laue Enthusiasten, und wir müssen uns wohl nach neuen frischen Fana-tismen umsehen, die wir dem slavisch-griechisch, orthodoxen absoluten Kaiscr-glauben entgegensetzen könnten!

Ach! wie schrecklich ist diese orientalische Frage, die bei jeder Wirrniß nnSso höhnisch angrinst! Wollen wir der Gefahr, die uns von dorther bedroht,schon jetzt vorbeugen, so haben wir den Krieg. Wollen wir hingegen geduldigdem Fortschritt des Nebels zusehen, so haben wir die sichere Knechtschaft. Daist ein schlimmes Dilemma. Wie sie sich auch betrage, die arme JungfrauEuropa sie mag mit Klugheit bei ihrer Lampe wachend bleiben, oder als einsehr unkluges Fräulein bei der erlöschenden Lampe einschlafen ihrer harretkein Frcudentag.

Paris, den 13. Februar 1811.

Sie gehen jeder Frage direct auf den Leib und zerren daran so lange herum,bis sie entweder gelöst, oder als unauflösbar beseitigt wird. Das ist der Cha-rakter der Franzosen, und ihre Geschichte entwickelt sich daher wie ein gericht-licher Prozeß. Wclchelogische, systematische Aufeinanderfolge bieten allcVor-gängc der französischen Revolution ! In diesem Wahnsinn war wirklich Me-thode, und die Historiographcn, die, nach dem Vorbild von Miguct, dem Zufallund den menschlichen Leidenschaften wenig Spielraum gestattend, die tollstenErscheinungen seit 1783 als ein Resultat der strengsten Ncthweudigkcit dar-

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