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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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er zwar die Sympathie der Franzosen, die den Werth seiner Allianz über-schätzten, aber er war zugleich selbst daran Schuld, daß die Franzosen ihmbiulänglichc Kräfte zutrauten, ohne ihre Bcihiilsc bis zum Frühjahr Wider-stand zu leisten. Hierdurch ging er zu Grunde, nicht durch sciue Tyrannei,wovon die Allgemeine Zeitung gewiß allzu grelle Gemälde lieferte. Demkranken Löwen giebt seht jeder die kleinlichsten Eselstritte. Das Ungeheuerist vielleicht nicht so schlecht, wie es die Leute, die er nicht bestochen hat odernicht bestechen wollte, ärgerlich behaupten. Augenzeugen seiner großmüthigenHandlungen versichern, Mchcmct Ali sei persönlich huldreich und gütig, erliebe die Civilisation, und nur die äußerste Nothwcndigkcit, der Kriegszustandseiner Lande, zwänge ihn zu jenem Erprcssuugssystcm, womit er seine FellahSheimsuche. Diese unglücklichen Nilbaucrn seien in der That eine Heerde vonJammergestalten, die, unter Stockschlägen zur Arbeit getrieben, bis aufs Blutausgesaugt werde». Aber daS sei, heißt cS, altägyptische Mode, die unterallen Pharaonen dieselbe war, und die man nicht nach modern europäischemMaßstäbe bcurthcilcu dürfe. Die Anklage der Philanthropen könnte der armePascha mit denselben Worten zurückweisen, womit unsrc Köchin sich entschul-digte, als sie die Krebse in allmählig siedendem Wasser lebendig kochte. Siewunderte sich, daß wir dieses Verfahren eine unmenschliche Grausamkeit nann-ten, und versicherte uns, die armen Thicrchen seien von jeher daran gewöhnt. Als Herr Crcmicur mit Mchcmct Ali von den Justizgräueln sprach, diein TamaScus verübt worden, fand er ihn zu den heilsamsten Reformen geneigt,und wären nicht die politischen Ereignisse allzustürmisch dazwischen getreten, sohätte es der berühmte Advocat gewiß erreicht, den Pascha zur Einführung deseuropäischen CriminalvcrfahrcnS in seinen Staaten zu bewegen.

Mit dem Sturze Mchcmct Nli's gehen auch die Hoffnungen zu Grabe,worin mohamcdanische Phantasie, zumal unter den Zelten der Wüste, sich soschwärmerisch wiegte. Hier galt Ali für den Helden, der bestimmt sei, demschwachen Tllrkcnrcgimcutc zu Stambul ein barsches Ende zu machen, unddort selber das Califat übernehmend, die Fahne des Propheten zu schuhen.Und wahrhastig in seiner starken Faust wäre sie besser aufgehoben, als in denschwachen Händen des jetzigen Gufaloniere des mohamcdanischcn Glaubens,der früh oder spät den Legionen und den noch gefährlichem Machinationen desCzars aller Reußen erliegen muß. Dem politischen und religiösen Fanatis-mus, worüber der russische Kaiser, der zugleich das Oberhaupt der griechischenKirche ist, verfügen kann, hätte ein regencrirtcs Reich der MoSlim unterMchcmct Ali oder einem sonstig neuen Dynasten mit ähnlicher Gewalt wider-standen, da ein eben so ungestüm fanatisches Element zu seiner Erhaltung indie Schranken getreten wäre. Ich rede hier vom Genius der Araber, der nieganz erstorben, sondern nur im stillen Bcduincnlcbcn eingeschlafen, und oft