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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
289
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Einsicht dcr Völker wieder in seinen Schlamm zurückgetreten werden. Daswissen adcr anch die Dämonen des Umsturzes diesseits nnd jenseits des Rheins,und wie hier in Frankreich die radikale Partei, aus Angst vor dcr definitivenBefestigung dcr Orlcans'schcn Dynastie und ihrer aus lange Zeit gesichertenDauer, die Wechselstelle des Kriegs herbeiwünscht, um nur die Chance einesNcgicrnngswcchsels zu gewinnen: so predigt jenseits des Rheins die radikalePartei einen Krcuzzug gegen die Franzosen, in dcr Hoffnung, daß die ent-ziigcltcn Leidenschaften einen wilden Zustand herbeiführen, wo viel leichter alsin einer zahmen und gezähmten Periode die Ideen dcr Bewegung verwirklichtwerden können. Ja, die Furcht vor der einschläfernden nnd fesselnden Machtdes Friedens, brachte diese Leute zu dem vcrzwciflnngsvollcn Entschluß, dasfranzösische Volk (wie sie in ihrer Unschuld sich ausdrücken) aufzu-opfern. Wir sagen es offen, weil uns dieser Heroismus eben so thörichtwie undankbar erscheint, und weil wir unsägliches Mitleid empfinden mit dcrbärenhaften Unbcholfcnheit, die sich einbildet klüger zu sein, als alle Füchse derList ! O Ihr Thoren, ich rathe Euch, legt Euch nicht auf das gefährliche Fachder politischen Pfiffigkeit, seid deutsch ehrlich und menschlich dankbar, und bildetEuch nicht ein, Ihr werdet auf eigenen Beine» stehen, wenn Frankreich fällt,die einzige Stühe, die Ihr habt auf dieser Erde!

Werden aber nicht auch von oben die Funken dcr Zwietracht geschürt? Ichglaube es nicht, und will es mich bcdllnkcn, die diplomatischen Wirrnisse seienmehr ein Resultat dcr Ungeschicklichkeit als des bösen Willens. Wer willaber den Krieg? England und Rußland könnten sich schon jetzt zufriedengeben; sie haben bereits genug Vorthcilc im Trüben erfischt. Für Deutsch-land und Frankreich jedoch ist dcr Krieg eben so unnöthig wie gefährlich;die Franzosen besäßen zwar gern die Rhcingrcnzc, aber nur weil sie sonst ge-gen etwaige Invasionen zu wenig geschützt sind, und die Deutschen brauchtennicht zu fürchten, die Rhcingrcnze zu verlieren, so lange sie nicht selber denFrieden brechen. Weder das deutsche Volk noch das französische Volk begehrtnach Krieg. Ich brauche wohl nicht erst zu beweise», daß die Nodomontadcnunsrcr Dcutschthiimler, die nach dem Besitz von Elsaß und Lothringen schreien,nicht dcr Ausdruck des deutschen Bauers und des deutschen Bürgers sind.Aber auch dcr französische Bürger und dcr französische Bauer, dcr Kern unddie Masse des großen Volks, wünschen keinen Krieg, da die Bourgeoisie nurnach industriellen Ausbeutungen, nach Eroberungen des Friedens trachtet, unddcr Landmann noch aus dcr Kaiserperiode sehr gut weiß, wie theucr, wie blut-thencr er die Triumphe dcr Nationaleitclkeit bezahlen muß.

Die kriegerischen Gelüste, die bei den Franzose» seit den Zeiten dcr Gallier sostürmisch loderten und brodelten, sind nachgerade ziemlich erloschen, und wiewenig die militairische kuror tranooss jetzt bei ihnen vorherrschend, zeigte sich

Heine. VI. 25