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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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sc». Ich selber bin wie betäubt: schreckliche Befürchtungen dringen in meinGcmüth. Der Krieg ist noch das geringste der Uebcl, die ich fürchte. InParis können Auftritte stattfinden, wogegen alle Scrncn der vorigen Revolu-tion wie heitere Sommernachtsträume erscheinen möchten! Der vorigenRevolution? Nein, die Revolution ist noch eine und dieselbe, wir haben erstden Anfang gesehen, und viele von uns werden die Mitte nicht überleben!Die Franzosen sind in einer schlechten Lage, wenn hier dieBajonnetcn-Mehr-zahl entscheidet. Aber das Eisen tödtct nicht, sondern die Hand, »nd diesegehorcht der Seele. Es kommt nun darauf an, wie viel Seele auf jeder Wag-schale sein wird. Vor den Lnrsaux de roorutsments macht man heuteQueue, wie vor den Theatern, wenn ein gutes Stück gegeben wird: eine un-zählige Menge junger Leute läßt sich als Freiwillige zum Militärdienst ein-schreiben. Im Palais-Noval wimmelt's von Ouvriers, die sich die Zeitun-gen vorlesen und sehr ernsthaft dabei aussehen. Der Ernst, der sich in diesemAugenblick fast wortkarg äußert, ist unendlich beängstigender als der geschwä-tzige Zorn vor zwei Monaten. Es heißt, daß die Kammern berufen werden,was vielleicht ein neues Unglück. Dcliberircudc Corporationcn lähmen jedehandelnde Thatkraft der Regierung, wenn sie nicht selbst alle RcgierungSge-walt in Händen habe», wie z. B. der Convent von 1732. In jenem Jahrewaren die Franzosen in einer weit schlimmeren Lage als jetzt.

22.

Paris, den 7. October 18-13.

Stündlich steigt die Aufregung der Gemllthcr. Bei der hitzigen Ungeduldder Franzosen ist es kaum zu begreifen, wie sie es aushalten könne» in diesemZustand der Ungewißheit. Entscheidung, Entscheidung um jeden Preis! ruftdas ganze Volk, das seine Ehre gekränkt glaubt. Ob diese Kränkung einewirkliche oder nur eine eingebildete ist, vermag ich nicht zu entscheiden; dieErklärung der Engländer und Rüssen, daß es ihnen nur um die Sicherungdes Friedens zu thun sei, klingt jedenfalls sehr ironisch, wenn zu gleicher Zeitzu Beyrut der Kanonendonner das Gegentheil behauptet. Daß mau aus dendreifarbigen Pavillon des französischen Consuls zu Beprut mit besonderer Vor-liebe gefeuert hat, erregt die meiste Entrüstung. Vorgestern Abend verlangtedas Parterre in der großen Oper, daß das Orchester die Marseillaise an-stimme; da ein Polizeicommissair diesem Verlangen widersprach, sang manohne Begleitung, aber mit so schnaubendem Zorn, daß die Worte in denKehlen stockten und ganz unverständlich hervorgcbrüllt wurden. Oder habendie Franzosen die Worte jenes schrecklichen Liedes vergessen und erinnern sich