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welche zwar an Vergiftung glauben, dieses Verbrechen aber als eine Art Noth-wchr betrachten und gewissermaßen justificiren. Lafarge, sagen sie, sei einergrößcrn Unthat anklagbar: er habe, um sich durch ein Hcirathsgut vom Ban-kerotte zu reiten, mit betrügerischen Vorspiegelungen das edle Weib gleichsamgestohlen und sie nach seiner öden Diebeshöhle geschleppt, wo, umgeben vonder rohen Sippschaft, unter moralischen Martern und tödtlichen Entbehrun-gen, die arme verzärtelte, an tausend geistige Bedürfnisse gewöhnte Pariserin,wie ein Fisch außer dem Wasser, wie ein Vogel unter Fledermäusen, wie eineBlume unter limosinischcn Bestien, elendiglich dahinsterben und vermodernmußte! Ist das nicht ein Meuchelmord, und war hier nicht Nothwehr zu ent-schuldigen? — so sagen die Vertheidiger, und sie sehen hinzu: Als das un-glückliche Weib sah, daß sie gefangen war, eingekerkert in der wüsten Carthause,welche Glandier heißt, bewacht von der alten Dicbesmutter, ohne gesetzlicheRcttnngshklfe, ja gefesselt durch die Gesetze selbst — da verlor sie den Kops,und zu den tollen Befreiungsmittcln, die sie zuerst versuchte, gehört jenerfamose Brief, worin sie dem rohen Gatten vorlog, sie liebe einen Andern, siekönne ihn nicht lieben, er möge sie also loslassen, sie wolle nach Asien fliehenund er möge ihr Hcirathsgut behalten. Die holde Närrin! In ihrem Wahn-sinn glaubte sie, ein Mann könne mit einem Weibe nicht leben, welches ihnnicht liebe, daran stürbe er, das sei der Tod ... Da sie aber sah, daß derMann auch ohne Liebe leben konnte, daß ihn Lieblosigkeit nicht tödtctc, da griffsie nach purem Arsenik. . . Rattengift für eine Ratte! — Die Männer derJury von Tülle scheinen Achnlichcs gefühlt zu haben, denn sonst wäre es nichtzu begreifen, weshalb sie in ihrem Verbiet von Mikdcrungsgründcn sprachen.Soviel ist aber gewiß, dliß der Proccß der Dame von Glandier ein wichtigesActcnstück ist, wenn man sich mit der großen Frauenfragc beschäftigt, vonderen Lösung das ganze gesellschaftliche Leben Frankreichs abhängt. Die außer-ordentliche Theilnahme, die jener Proceß erregt, entspringt aus dem Bewußt-sein eignen Leids. Ihr armen Frauen, Ihr seid wahrhaftig übel dran. DieJuden in ihren Gebeten danken täglich dem lieben Gott, daß er sie nicht alsFrauenzimmer auf die Welt kommen ließ. Naives Gebet von Menschen, dieeben durch Geburt nicht glücklich sind, aber ein weibliches Geschöpf zu sein fürdas schrecklichste Unglück halten! Sic haben Recht, selbst in Frankreich, wodas weibliche Elend mit so vielen Rosen bedeckt wird.
A.
Paris, den 3. Octobcr 1840.
Seit gestern Abend herrscht hier eine Aufregung, die alle Begriffe übersteigt.Der Kanonendonner von Bcyrut findet sein Echo in der Brust aller Franzo-