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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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nur noch der alten Melodie? Der Polizcicommissair, welcher auf die Scenestieg, um dem Publicum eine Gegegenvorstcllung zu machen, stotterte unterriete» Verbeugungen: das Orchester könne die Marseillaise nicht aufspielen,denn dieses Musikstück stünde nicht auf dem Anschlagzettel. Eine Stimmeim Parterre crwiedcrtc:mein Herr, das ist kein Grnud, denn Sie selbststehen ja auch nicht ans dem Anschlagzettel." Für heute hat der Polizeipräfcctallen Theatern die Erlaubuiß ertheilt, die Marseiller Hymne zu spielen, undich halte diesen Umstand nicht für unwichtig. Ich sehe darin ein Symptom,dem ich mehr Glauben schenke, als allen kriegerischen Deklamationen der Mi-nisterialblätter. Letztere stoßen in der That seit einigen Tagen so bedeutendin die Trompete Bellona's, daß man den Krieg als etwas Unvermeidliches zubetrachten schien. Die Friedfertigsten waren der Kriegsministcr und derMarincministcr; der kampslnstigste war der Minister des Unterrichts einwackerer Mann, der seit seiner Amtsführung selbst die Achtung seiner Feindeerworben und seht eben soviel Thatkraft wie Begeisterung entfaltet, aber dieKricgSkräftc Frankreichs gewiß nicht so gut zu beurtheiten weiß, wie der Ma-rincminister und der Kriegsministcr. Thiers hält allen die Wage und istwirklich der Mann der Nationalität. Letztere ist ein großer Hebel in seinenHänden, und er hat von Napoleon gelernt, daß man die Franzosen damit nochweit gewaltiger bewegen kann, als mit Ideen. Trotz seinem Nationalismus,bleibt aber Frankreich der Repräsentant der Revolution, und die Franzosenkämpfen nur für diese, wenn sie sich selbst aus Eitelkeit, Eigennutz und Thor-heil schlagen. Thiers hat imperialistische Gelüste, nnd wie ich Ihnen schonEnde Julius schrieb, der Krieg ist die Freude seines Herzens. Jetzt ist derFußboden seines Arbeitszimmers ganz mit Landkarten bedeckt, und da liegt eraus dem Bauche und steckt schwarze und grüne Nadeln ins Papier, ganz wieNapoleon. Daß er an der Börse spcculirt habe, ist eine schnöde Verleum-dung; ein Mensch kann nur einer einzigen Leidenschaft gehorchen, und derEhrgeizige denkt selten an Geld. Durch seine Familiarität mit gesinnungs-losen Glücksrittern hat sich Thiers all die boshaften Gerüchte, die an seinemLeumund nagen, selber zugezogen. Diese Leute, wenn er ihnen jetzt denRücken kehrt, schmähen ihn »och mehr als seine politischen Feinde. Aberwarum pflegte er Umgang mit solchem Gesindel? Wer sich mit Hundenniederlegt, steht mit Flohen auf.

Ich bewundere den Muth des Königs; jede Stunde, wo er zögert dem ver-letzten Nationalgcfühl Gcnugthuung zu schaffen, wächst die Gesahr, die denThron noch entsetzlicher bedroht, als alle Kanonen der Nlliirteu. Morgen,heißt es, sollen die Ordonnanzen publieirt werden, welche die Kammern beru-fen und Frankreich in Kriegszustand sstat cko guei-rv) erkläre». GesternAbend, auf der Nachtbörse von Tortsni, hieß eS, Laland habe Befehl erhal-