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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
271
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20.

Paris, den s. Octobcr t8ii).

Habcn Sic das Buch Baruch gelesen?" Mit dieser Frage lief einstLafontaine durch alle Straßen von Paris, jeden seiner Bekannten anhaltend,nm ihm die große Neuigkeit mitzutheilen, daß das Buch Baruch wunderschönsei, eine der besten Sachen die je geschrieben worden. Die Leute sahen ihnverwundert an, und lächelten vielleicht in derselben Weise, wie ich Sie lächelnsehe, wenn ich Ihnen mit der heutigen Post die wichtige Nachricht mitthcile,daßTausend und eine Nacht" eines der besten Bücher ist, und gar besondersmißlich und belehrsam in jetziger Zeit . . . Denn aus jenem Buche lernt manden Orient besser kennen, als aus den Berichten Lamartine's, Poujoulat'Sund Consorten; und wenn auch diese Kenntniß nicht hinreicht, die orientali-sche Frage zu lösen, so wird sie uns wenigstens ein Bischen aufheitern inunserm occidentalischcn Elend! Man fühlt sich so glücklich, während mandies Buch lieft! Schon der Rahmen ist kostbarer als die besten Gemälde desAbendlandes. Welch ein prächtiger Kerl ist jener Sultan Schariar, der seineGattinnen des andern Morgens, nach der Brantnacht, unverzüglich tödtenläßt! Welche Tiefe des Gemüths, welche schauerliche Seelenkcuschheit, welcheZartheit des ehelichen Bewußtseins, offenbart sich in jener naiven Liebesthat,die man bisher als grausam, barbarisch, despotisch verunglimpfte! Der Mannhatte einen Abscheu gegen jede Verunreinigung seiner Gefühle, und er glaubtesie schon verunreinigt durch den bloßen Gedanken, daß die Gattin, die heut anseinem hohen Herzen lag, vielleicht morgen in die Arme e-nes Andern, einesschmutzigen Lumps, hinabsinken könne und er todtete sie lieber gleich nachder Brautnacht! Da man so viele verkannte Edle, die das blödsinnige Publi-cum lange Zeit verlästerte und schmähte, jetzt wieder zu Ehren bringt, so sollte

handelte sehr unbesonnen, als es gleich mit vollen Backen in die KriegStrom-pete stieß und ganz Europa auftrommelte. Wie der Fischer in dem arabischenMährchcn hat Thiers die Flasche geöffnet, woraus der schreckliche Dämon empor-stieg ... er erschrak nicht wenig über dessen kolossale Gestalt und möchte ihnjetzt zurückbanucn mit schlauen Worten.Bist du wirtlich aus einer so klei-nen Boutcillc hcrvorgesticgcn?" sprach der Fischer zu dem Riesen, und zumBeweise verlangte er, daß er wieder in dieselbe Flasche hineinkrieche; und alsder große Narr es that, verschloß der Fischer die Flasche mit einem gutenStöpsel . . . Die Post geht ab, und wie die Sultanin Scheherczade unter-brechen wir nnsre Erzählung, vertröstend auf morgen, wo wir aber ebenfalls,wegen der vielen eingeschobenen Episoden, keinen Schluß liefern.