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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
257
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als einen bedeutenden Widerspruch von Seiten der Pairskammcr zu erwarte».Auf diese kaun er noch sicherer zählen, als aus seine Schildhalter in der Depu-tirtenkammcr, obgleich er auch letztere mit gar starken Banden und Bändchen,mit rhetorischen Blumcnketten und vollwichtigen Goldkctten, an seine Persongefesselt hat!

Der große Kampf dürste jedoch nächsten Winter hervorbrechen, nämlichwenn Herr Guizot, der seinen Gcsandtschaftsposten aufgeben wird, von Lon-don zurückkehrt und seine Opposition gegen Herrn Thiers aufs neue eröffnet.Diese beiden Nebenbuhler haben schon frühe begriffen, daß sie zwar einen kur-zen Waffenstillstand schließen, aber nimmermehr ihren Zweikampf ganz aus-geben können. Mit dem Ende desselben findet vielleicht auch das ganze parla-mentarische Gouvernement in Frankreich seinen Abschluß.

Herr Guizot beging einen großen Fehler, als er an der Coalition Theilnahm. Er hat später selber eingestanden, daß es ein Fehler gewesen, undgewissermaßen um sich zu rchabilitiren, ging er nach London: er wollte dasVertrauen der auswärtigen Mächte, das er in seiner Stellung als Oppo-sitionsmann eingebüßt hatte, in seiner diplomatischen Laufbahn wiedergewin-nen; denn er rechnet darauf, daß am Ende, bei der Wahl eines Conseilpräsi-dentcn in Frankreich, wieder der fremdländische Einfluß obsiegen werde.Vielleicht rechnet er zugleich aus einige einheimische Sympathien, deren HerrThiers allmähig verlustig gehen würde, und die ihm, dem geliebten Guizot,zuflössen. Böse Zungen versichern mir, die Doctrinairc bildeten sich ein, manliebe sie schon jetzt. So weit geht die Selbstvcrblendung selbst bei den geschei-testen Leuten! Nein, Herr Guizot, wir sind noch nicht dahin gekommen, Siezu lieben; aber wir haben auch noch nicht aufgehört, Sie zu verehren. Trotzall unsrcr Liebhaberei für den beweglich brillanten Nebenbuhler haben wir deinschweren, trüben Guizot nie unsre Anerkcnntniß versagt; es ist etwas Siche-res, Haltbares, Gründliches in diesem Manne, und ich glaube, die Interessender Menschheit liegen ihm am Herzen.

Von Napoleon ist in diesem Augenblick keine Rede mehr; hier denkt nie-mand mehr an seine Asche, und das ist eben sehr bedenklich. Denn die Be-geisterung, die durch das beständige Geträtschc am Ende in eine sehr bescheideneWärme übergegangen war, wird nach fünf Monden, wenn der kaiserlicheLeichenzug anlangt, mit crncucten Bränden aufflammen. Werden alsdanndie emporsprühcndcn Funken großen Schaden anstiften? Es hängt Alles vonder Witterung ab. Vielleicht, wenn die Winterkälte frühe eintritt und vielSchnee fällt, wird der Todte sehr kühl begraben.

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