Druckschrift 
6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
258
Einzelbild herunterladen
 

238

14.

Paris, den 25. Juli j8!9.

Auf den hiesigen Boulevards-Theatern wird jetzt die Geschichte Bürgcr'S,des deutschen Poeten, tragirt; da scheu wir, wie er die Lconore dichtend, imMondschein sitzt und singt: liurraü ! los Worts vont vitv man nwour,craws -tu los worts? Das ist wahrhaftig ein guter Refrain, und wir wollenihn unscrm heutigen Berichte voranstellen, und zwar in nächster Beziehungauf das französische Ministerium. Aus der Ferne schreitet die Leiche desNiesen von Sanct-Hclena immer bedrohlich näher, und in einigen Tagenöffnen sich auch die Gräber hier in Paris und die unzufriedenen Gebeine derJulinshclden steigen hervor und wandern nach dem Bastilleitplatz, der furcht-baren Stätte, wo die Gespenster von Anno 89 noch immer spuken . . . UnsWorts vont vite won nwonr, orains-tu los worts?

In der That, wir sind sehr beängstigt wegen der bevorstehenden Juliustage,die dieses Jahr ganz besonders pomphaft, aber, wie man glaubt, zum letzten-mal gefeiert werden; nicht alle Jahr kann sich die Regierung solche Schrcckcns-last aufbiirden. Die Aufregung wird dieser Tage größer sein, je wahlver-wandtcr die Töne sind, die aus Spanien herüber klingen, und je greller dieDetails des Barccloner AufstandeS, wo sogenannte Elende bis zur gröbstenBeleidigung der Majestät sich vergaßen.

Während im Westen der Sncccssionskricg beendigt und der eigentliche Ne-volutionSkricg beginnt, verwickeln sich die Angelegenheiten des Orients ineinen unauflöslichen Knäuel. Die Revolte in Syrien setzt das französischeMinisterium in die größte Verlegenheit. Auf der einen Seite will cS mitall seinem Einfluß die Macht des Pascha von Aegypten unterstützen, aus derandern Seite darf es die Maronitcn, die Christen auf dem Berg Libanon,welche die Fahne der Empörung aufpflanzten, nicht ganz deSavouiren;denn diese Fahne ist ja die französische Tricolore; die Rebellen wolle» sichdurch letztere als Angehörige Frankreichs bekunden, und sie glauben, daß diesesnur scheinbar den Mehcmet Ali unterstütze, im Geheimen aber die syrischenChristen gegen die ägyptische Herrschaft anfwicglc. In wie weit sind sie zusolcher Annahme berechtigt? Haben wirklich, wie man behauptet, einigeLenker der katholischen Partei, ohne Vvrwissen der französischen Regierung,ein Schildcrhcben der Maroniten gegen den Pascha angezettelt, in der Hoff-nung, bei der Schwäche der Türken ließe sich jetzt nach Vertreibung der Ae-gyptier in Syrien ein christliches Reich begründen? Dieser eben so unzeitige,wie fromme Versuch wird dort viel Unglück stiften. Mehcmet Ali war überden Ausbruch der syrischen Revolte so entrüstet, daß er wie ein wildes Thier