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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
Seite
255
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Charcnton einsperren zu lassen, und der arme Schclm dürste noch froh sein,mit dem Leben davon zu kommen. Alle, die jenem Ebrgcizling hindernd imWege stehen, müssen weichen. Wo ist Weber? wo Bcllini? Hum! Hum!

Dieses hum! hum! war trotz aller unverschämten Bosheit so^ drollig, vaßich nicht ohne Lachen die Bemerkung machte! Aber Sic Maestro, Sie sindnoch nicht aus dem Wege geräumt, auch nicht Donizctti, oder Mendctssohn,oder Rossini, oder Halcvy. Hum! Hum! war die Antwort, Hum! Hum!Halcvt) gcnirt seinen Confratcr nicht, und dieser würde ihn sogar dafür bezah-len, daß er nur cristirc, als ungefährlicher Schcinrival, und von Rossini weißer, durch seine Späher, daß derselbe keine Note mehr compouirt auch hatRossini'S Magen schon genug gelitten, und er berührt kein Piano, um nichtMeyerbeers Argwohn zu erregen. Hum! Hum! Aber gottlob: nur unsereLeiber können gctödtct werden, nicht unsere Geisteswerke; diese werden inewiger Frische sortblühcn, während mit dem Tode jenes Cartouchc der Musikauch seine Unsterblichkeit ein Ende nimmt, und seine Opern ihm folgen insstumme Reich der Vergessenheit!

Nur mit Mühe zügeltc ich meinen Unwillen, als ich hörte, mit welcherfrechen Gringschätzung der welsche Ncidhardt von dem großen hochgcfciertcnMeister sprach, welcher der Stolz Deutschlands und die Wonne des Morgen-landes ist, und gewiß als der wahre Schöpfer von Robert le Diable und denHugenotten betrachtet und bewundert werden muß! Nein, so etwas Herrlicheshat kein Gouin componirt! Bei aller Verehrung für den hohen Genius,wollen freilich zuweilen bedenkliche Zweifel in mir aufsteigen in Betreff derUnsterblichkeit dieser Meisterwerke nach dem Ableben dcS Meisters, aber inmeiner Unterredung mit Spontini gab ich mir doch die Miene, als sei ichüberzeugt von ihrer Fortdauer nach dem Tode, und um dm boshaften Ita-liener zu ärgern, machte ich ihm im Vertrauen eine Mitthcilung, woraus erersehen konnte, wie weitsichtig Mcycrbecr für das Gedeihen seiner Geisteskindcrbis über das Grab hinaus gesorgt hat. Diese Fürsorge, sagte ich, ist einpsychologischer Beweis, daß nicht Herr Gouin, sondern der große Giacomo derwirkliche Vater sei. Derselbe hat nämlich in seinem Testament zu Gunstenseiner musikalischen Gcistcskinder gleichsam ein FidcicommiS gestiftet, indem erjedem ein Capital vermachte, dessen Zinsen dazu bestimmt sind, die Zukunftder armen Waisen zu sichern, so daß auch nach dem Hinscheiden des HerrnVaters die gehörigen Populari'tätsausgabcn, der eventuelle Aufwand von Flit-terstaat, Clagnc, ZeitungSlob u. s. w., bestritten werden können. Selbst fürdas noch ungcborne Prophctchcn soll der zärtliche Erzeuger die Summe vonlüilMil Thaler Prcuß. Court, ausgesetzt haben. Wahrlich, noch nie ist einProphet mit einem so großen Vermögen zur Welt gekommen; der Zimmcr-mannsjohn von Bethlehem und der Kameeltrciber von Mekka waren nicht so