verstorben hielte», so erschraken sie nicht wenig ob seiner plötzlichen geisterhaftenErscheinung. Die ränkevolle Behendigkeit dieser tobten Gebeine hatte in derThat etwas Unheimliches. Hr. Duponchel, der Dircctor der großen Oper,ließ ihn gar nicht vor sich und rief mit Entsetzen: „Diese intriguante Mumiemag mir vom Leibe bleiben; ich habe bereits genug von den Jntriguen derLebenden zu erdulden!" Und doch hatte Hr. Moritz Schlesinger, Verleger derMeyerbcer'schen Opern—denn durch diese gute, ehrliche Seele ließ der Ritterseinen Besuch bei Hrn. Duponchel voraus ankündigen — alle seine glaubwür-dige Beredtsamkeit aufgeboten, um seinen Empfohlenen im besten Lichte dar-zustellen. In der Wahl dieser empfehlenden Mittelsperson bekundete HerrSpontini seinen ganzen Scharssinn. Er zeigte ihn auch bei andern Gelegen-heiten ; z. B. wenn er über Jemand raisonnirte, so geschah es gewöhnlichbei dessen intimsten Freunden. Den französischen Schriftstellern erzählte er,daß er in Berlin einen deutschen Schriftsteller festsetzen lassen, der gegen ihngeschrieben. Bei den französischen Sängerinnen beklagte er sich über deutscheSängerinnen, die sich nicht bei der Berliner Oper cngagircn wollten, wennman ihnen nicht contractlich zugestand, daß sie in keiner Spontinischen Operzu singen brauchten!
Aber er will durchaus hierher; er kann es nicht mehr aushalten in Berlin,wohin er, wie er behauptet, durch den Haß seiner Feinde verbannt worden,und wo man ihm dennoch keine Ruhe lasse. Dieser Tage schrieb er an dieRedaction der lkranys musioals: seine Feinde begnügten sich nicht, daß sie ihnüber den Rhein getrieben, über die Weser, über die Elbe; sie möchten ihn nochweiter verjagen, über die Weichsel, über den Riemen! Er findet große Aehn-lichkcit zwischen seinem Schicksal und dem Napolcon'schcn. Er düukt sich einGenie, wogegen sich alle musikalischen Mächte verschworen. Berlin ist seinSamt Helena und Rcllstab sein Hudson Lowe. Jetzt aber müsse man seineGebeine nach Paris zurückkommen lassen und im Jnvalidenhansc der Ton-kunst, in der Loacksmiö roMv cke blusique, feierlich beisetzen. —
Das Alpha und Omega aller Spontinischen Bcklagnifsc ist Mepcrbccr.Als mir hier in Paris der Ritter die Ehre seines Besuches schenkte, war erunerschöpflich an Geschichten, die geschwollen von Gift und Galle. Er kanndie Thatsache nicht abläugncn, daß der König von Preußen unser» großenGiacomo mit Ehrenbezeugungen überhäuft, und darauf bedacht ist, denselbenmit hohen Acmtcrn und Würden zu betrauen, aber er weiß dieser königlichenHuld die schnödesten Motive anzudichten. Am Ende glaubt er selbst seineeignen Erfindungen, und mit einer Miene der tiefste» Ucbcrzcugung versicherteer mir: als er einst bei Sr. Majestät dem König gespeist, habe Allerhöchstderselbe nach der Tafel mit heiterer Offenherzigkeit gestanden, daß er denMepcrbeer um jeden Preis an Berlin fesseln wolle, damit dieser Millionair