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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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scrs schr bedenklich in die Krümpe. Ein in jeder Hinsicht politischer Schrift-steller muß der Sache wegen, die er verficht, der rohen Nothwcndigkeit, manchebittere Zugeständnisse machen. Es gibt obscurc Winkclblätter genug, worinwir unser ganzes Herz mit allen seinen Zvrnbränden ausschütten könntenaber sie haben nur ein sehr dürftiges und einflußloses Publicum, und es wäreeben so gut, als wenn wir in der Bierstube oder im Kaffcehausc vor den re-spcctivcn Stammgäste» schwadronirten, gleich andern großen Patrioten. Wirhandeln weit klüger, wenn wir unsre Gluth mäßigen, und mit nüchternenWorten, wo nicht gar unter einer Maske, in einer Zeitung uns aussprechen,die mit Recht eine Allgemeine Weltzcitung genannt wird, und vielen hundert-tausend Lesern in allen Landen belchrsam zu Händen kommt. Selbst in sei-ner trostlosen Verstümmlung kann hier das Wort gedeihlich wirken; die noth-dürftigstc Andeutung wird zuweilen zu ersprießlicher Saat in unbekanntemBoden. Beseelte mich nicht dieser Gedanke, so hätte ich mir wahrlich nie dieSclbsttortur angethan, für die Allgemeine Zeitung zu schreiben. Da ich vondem Trcusinn und der Redlichkeit jenes innigst geliebten Jugendfreundes undWaffenbruders, der die Redaktion der Zeitung leitet, zu jeder Zeit unbedingtüberzeugt war, so konnte ich mir auch wohl manche erschreckliche Nachgual derUmarbeitung und Verballhornung meiner Artikel gefallen lassen; sah ichdoch immer die ehrlichen Augen des Freundes, welcher dem Verwundeten zusagen schien: liege ich denn etwa auf Rosen? Dieser wackere Kämpe derdeutschen Presse, der schon als Jüngling für seine liberalen UcberzcugungenRoth und Kerker erduldet hat, er, der für die Verbreitung von gcmeinnüßli-chcm Wissen, dem besten Emancipationsmittel, und überhaupt für das politischeHeil seiner Mitbürger so viel gcthan, viel mehr gcthan, als Taufende von bra-marbasircnden Maulhelden er ward von diesen als servil verschrien, und dieAugsburger Hure" war der Schmähnamc, womit der Pöbel der Radicalendie Allgemeine Zeitung immer titulirte.

Doch ich gerathe hier in eine Stimmung, die mich zu weit führen könnte.Ich begnüge mich damit, hier flüchtig angedeutet zu haben, von welcher Art dieUnfreiheit war, die ich höherer vaterländischer Rücksichten wegen ertrug, wennich für die Allgemeine Zeitung schrieb. In dieser Beziehung begegnete ichmancher Mißdeutung, selbst in Sphären, wo Intelligenz zu herrschen pflegte.Eine solche war z. B. die oben bezeichnete Citation aus dem National, dieman mir fälschlich zuschrieb. Da ich nicht gern unschuldig leide, so gcrieth icham Ende aus den unseligen Gedanken, das MajestätSvcrbrcchcn, dessen manmich beschuldigte, einmal wirklich zu begehen, und bei Gelegenheit der Wahlenzu Tarbes mußte der Dcputirte der Uautes-I'xrönses meinen Unmuth ent-gelten. Da ich jedes Unrecht am Ende selbst eingestehe, so will ich zu meinereigenen Beschämung hier erwähnen, daß der Mann, dem ich jede Capacität