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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Ich glaube er hieß Angeli, trug eine Jacke von schwarzer Farbe, auch eineschwarze Kappe mit schwarzen Schellen und riß betrübte Spaße. Der Pathosdes Chateaubriand hat siir mich immer etwas Komisches; dazwischen höre ichstets das Geklingel der schwarzen Glockchen. Nur wird die erkünstelte Schwer -muth, die affcctirten Todcsgcdankcn, aus die Länge eben so widerwärtig wieeintönig. Es heißt, er sei jetzt mit einer Schrift über die Leichenfeier Napo-leons beschäftigt. Das wäre in der That für ihn eine vortreffliche Gelegen-heit, seine oratorischen Flöre und Immortellen, den ganzen Pomp seiner Bc-gräbnißphantasie auszukramen; sein Pamphlet wird ein geschriebener Katafalkwerden, und an silbernen Thräncn und Trauerkerzen wird er cS nicht fehlenlassen; denn er verehrt den Kaiser, seit er todt ist.

Auch Frau von Stadl würde jetzt den Napoleon feiern, wenn sie noch inden Salons der Lebenden wandelte. Schon bei der Rückkehr des Kaisers vonder Insel Elba, während der hundert Tage, war sie nicht übel geneigt, dasLob des Tyrannen zu singen, und stellte nur zur Bedingung, daß ihr vorherzwei Millionen, die man vorgeblich ihrem seligen Vater schuldete, ausgezahltwürden. Als ihr aber der Kaiser dieses Geld nicht gab, fehlte ihr die nöthigcInspiration für die erbotenen PrciSgcsänge, und Corinna improvisirtc jeneTiraden, die dieser Tage von der Gazette de France so wohlgefällig wiederholtwurden. ?owt ä'-ergsut, Point ckg Suissss!Daß diese Worte auchauf ihren Landsmann Benjamin Constant anwendbar, ist uns leider nur garzu sehr bekannt. Doch laßt uns nicht weiter die Personen beleuchten, dieden Kaiser geschmäht haben. Genug, Madame de Stai-l ist todt, und B.Constant ist todt, und Chateaubriand ist so zu sagen auch todt: wenigstenswie er uns seit Jahren versichert, beschäftigt er sich ausschließlich mit seinerBeerdigung, und seine blämoiros ck'outre -tombe, die er stückweise herauS-giebt, sind nichts anderes als ein Leichenbegängniß, das er vor seinem defini-tiven Hinscheiden selber veranstaltet, wie einst der Kaiser Karl V. Genug, erist als todt zu betrachten, und er hat in seiner Schrift das Recht, den Napo-leon wie seinesgleichen zu behandeln.

Aber nicht blos die erwähnten Erccrpte älterer Autoren, sondern auch dieRede, die Herr v. Lamartine in der Deputirtenkammcr über oder vielmehrgegen Napoleon hielt, hat mich widerwärtig berührt, obgleich diese Rede lauterWahrheit enthält. Die Hintergedanken sind unehrlich, und der Redner sagtedie Wahrheit im Interesse der Lüge. Es ist wahr, es ist tausendmal wahr,daß Napoleon ein Feind der Freiheit war, ein Despot, gekrönte Selbstsucht,und daß seine Verherrlichung ein böscS, gefährliches Beispiel. Es ist wahr,ihm fehlten die Bllrgcrtugcnden eines Bailly, eines Lafapettc, und er trat dieGesetze mit Füßen und sogar die Gesetzgeber, wovon noch jetzt einige lebendeZeugnisse im HoSpital de Lurcmbourg. Aber es ist nicht dieser libcrticidc