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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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lang, nach Versailles sichren, und von zwei berühmten Finanzrabbinen geleitetwerden, die mit einander eben so divergircnd hadern, wie einst Rabbi Samenund Rabbi Hille! in der altern Stadt Babylon.

Wir müssen dem Großrabbi der rive ckroits, dem Baron Rothschild, dieGerechtigkeit widerfahren lassen, daß er für das Haus Israel eine edlereSympathie an den Tag legte, als sein schriftgclehrter Antagonist, der Groß-rabbi der riv« Annvlro, Herr Benoit Fould, der, während in Syrien, ansAnreiznng eines französischen Consnls, seine Glaubensbrüdcr gefoltert undgewürgt wurden, mit der unerschütterlichen Seelenruhe eines Hillcl, in derfranzösischen Deputirtcnkammer einige schöne Reden hielt über die Conversionder Renten und den Disconto der Bank.

Das Interesse, welches die hiesigen Juden an der Tragödie von Damascusnahmen, reducirt sich auf sehr geringfügige Manifestationen. Das israeliti-sche Consistorium, in der lauen Weise aller Körperschaften, versammelte sichund delibcrirte; daS einzige Resultat dieser Deliberationcn war die Meinung,daß man die Aktenstücke des Prozesses zur öffentlichen Kunde bringen müsse.Herr Crcmicur, der berühmte Advocat, welcher nicht blos den Juden, sondernden Unterdrückten aller Konfessionen und aller Doktrinen, zu jeder Zeit seinegroßmüthigc Beredsamkeit gewidmet, unterzog sich der oben erwähnten Publi-cation, und mit Ausnahme einer schönen Frau und einiger jungen Gelehrten,ist wohl Herr Cremieur der einzige in Paris, der sich der Sache Israels thätigannahm. Mit der größten Aufopferung seiner persönlichen Interessen, mitVerachtung jeder lauernden Hinterlist, trat er den gehässigsten Insinuationenrücksichtslos entgegen, und erbot sich sogar nach Aegypten zu reisen, wenn dortder Prozeß der Damasccncr Juden vor das Tribunal dcS Pascha MehcmetAli gezogen werden sollte. Der ungetreue Berichterstatter in den erwähntennorddeutschen Blättern, der Leipziger Allg. Ztg., insinuirt, mit perfider Ncben-bemerkung, daß Herr Cremieur die Entgegnung, womit er die falschen Mis-sionsbcrichte in den hiesigen Zeitungen zu entkräften wußte, als Inserat druckteund die übliche Gebühr dafür entrichtete. Wir wissen aus sicherer Quelle,daß die Journaldircctionen sich bereitwillig erklärten, jene Entgegnung ganzgebührfrei einzurücken, wenn man einige Tage warten wolle, und nur ausVerlangen des schleunigsten Abdrucks berechneten einige Redaktionen die Kosteneines Supplcmentblattes, die wahrlich nicht von großem Belange, wenn mandie Geldkräfte des israelitischen Consistoriums bedenkt. Die Gcldkräfte derJuden sind in der That groß, aber die Erfahrung lehrt, daß ihr Geiz noch weitgrößer ist. Eines der hochgeschätztesten Mitglieder des hiesigen Consistoriumsman schätzt ihn nämlich auf einige dreißig Millionen Francs Herr W. deNomiily, gäbe vielleicht keine hundert Francs, wenn man zu ihm käme mit