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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Pianist war während langer Zeit ihr Cavalierc servente; vor seinem Tode ent-ließ sie ihn; sein Amt war freilich in der letzten Zeit eine Sinecurc geworden.

Ich weiß nicht, wie mein Freund Heinrich Laube einst in der AllgemeinenZeitung mir eine Acußerung in den Mund legen konnte, die dahin lautete,als sei der damalige Liebhaber von George Sand der geniale Franz Lißt ge-wesen. Laube's Jrrthum entstand gewiß durch Jdcen-Associationen, indemer die Namen zweier gleichbcrühmten Pianisten verwechselte. Ich benutze dieseGelegenheit, dem guten oder vielmehr dem ästhetischen Leumund der Dameeinen wirklichen Dienst zu erweisen, indem ich meinen deutschen Landslcutcnzu Wien und Prag die Versicherung crthcile, daß es eine der miserabelstenVerleumdungen ist, wenn dort einer der miserabelsten Liedercompositeurs vommundfaulsten Dialekte, ein namenloses, kriechendes Jnsecl, sich rühmt, mitGeorge Sand in intimem Umgange gestanden zu haben. Die Weiber habenallerlei Idiosynkrasien, und es giebt deren sogar, welche Spinnen verspeisen;aber ich bin noch keiner Frau begegnet, welche Wanzen verschluckt hätte. Nein,an dieser prahlerischen Wanze hat Lelia nie Geschmack gefunden, und sietolerirte dieselbe manchmal in ihrer Nähe, weil sie gar zu zudringlich war.

Lange Zeit, wie ich oben bemerkt, war Alfred de Müsset der Herzensfreundvon George Sand. Sonderbarer Zufall, daß einst der größte Dichter inProsa, den die Franzosen besitzen, und der größte ihrer jetzt lebenden Dichterin Versen (jedenfalls der größte nach Bcrangcr), lange Zeit in leidenschaft-licher Liebe für einander entbrannt, ein lorbcergckröntes Paar bildeten.George Sand in Prosa und Alfred de Müsset in Versen überragen in derThat den so gepriesenen Victor Hugo, der mit seiner grauenhaft hartnäckigen,fast blödsinnigen Beharrlichkeit den Franzosen und endlich sich selber weißmachte, daß er der größte Dichter Frankreichs sei. Ist dieses wirklich seineeigene fixe Idee? Jedenfalls ist es nicht die unsrigc. Sonderbar! die Ei-genschaft, die ihm soviel fehlt, ist eben diejenige, die bei den Franzosen ammeisten gilt, und zu ihren schönsten Eigcnthümlichkcitcn gehört. Es ist diesesder Geschmack. Da sie den Geschmack bei allen französischen Schriftstellernantrafen, mochte der gänzliche Mangel desselben bei Victor Hugo ihnen viel-leicht eben als eine Originalität erscheinen. Was wir bei ihm am unleid-lichsten vermissen, ist das, was wir Deutsche Natur nennen; er ist gemacht,verlogen, und oft im selben Verse sucht die eine Hälfte die andere zu belügen;er ist durch und durch kalt, wie nach Aussagen der Hexen der Teufel ist, eis-kalt sogar in seinen leidenschaftlichsten Ergüssen seine Begeisterung ist nurcine Phantasmagorie, ein Calcül ohne Liebe, oder vielmehr, er liebt nur sich;er ist ein Egoist, und damit ich noch schlimmeres sage, er ist ein Hugoist. Wirsehn hier mehr Härte als Kraft, eine freche eiserne Stirn und bei allemRcichthum der Phantasie und des Witzes, dennoch die llnbcholfenheit eines