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Parvenüs oder eines Wilden, der sich durch Ucberladung und unpassende An-wendung von Gold und Edelsteinen lächerlich macht: kurz, barocke Barbarei,gellende Dissonanz und die schauderhafteste Difformität! Es sagte Jemandvon dem Genius des Victor Hugo: o'est ur> bann bvssu, Das Wort isttiefsinniger, als diejenigen ahnen, welche Hugo's Vortrcfflichkeit rühmen.
Ich will hier nicht blos darauf hindeute», daß in seinen Romanen undDramen die Haupthelden mit einem Höcker belastet sind, sondern daß er selbstim Geiste höckerichj ist. Nach unserer modernen Jdentitätslchre ist es einNaturgesetz, daß der inneren, der geistigen Signatur eines Menschen auchseine äußere, die körperliche Signatur entspricht — diese Idee trug ich nochim Kopfe, als ich nach Frankreich kam, und ich gestand einst meinem Buch-händler Eugene Rcnducl, welcher auch der Verleger Hugo's war, daß ich,nach der Vorstellung, die ich mir von letzterem gemacht hatte, nicht wenig ver-wundert gewesen sei, in Herrn Hugo einen Mann zu finden, der nicht miteinem Höcker behaftet sei. Ja, man kann ihm seine Difformität nicht an-sehen, bemerkte Herr Rcnduel zerstreut. Wie, rief ich, er ist also nicht ganzfrei davon? Nicht so ganz und gar, war die verlegene Antwort, und nachvielem Drängen gestand mir Freund Rcnduel, er habe eines Morgens HerrnHugo in dem Momente überrascht, wo er das Hemd wechselte, und da habe erbemerkt, daß eine seiner Hüften, ich glaube die rechte, so mißwüchsig hervor-tretend sei, wie man es bei Leuten findet, von denen das Volk zu sagen pflegt,sie hätten einen Buckel, nur wisse man nicht, wo er sitze. DaS Volk in seinerscharfsinnigen Naivetät nennt solche Leute auch verfehlte Bucklichtr, falscheBuckclmcnschcn, so wie es die Albinos weiße Mohren nennt. Es ist bedeut-sam, daß es eben der Verleger des Dichters war, dem jene Difformität nichtverborgen blieb. Niemand ist ein Held vor seinem Kammerdiener, sagt dasSprüchwort, und vor seinem Verleger, dem lauernden Kammerdiener seinesGeistes, wird auch der größte Schriftsteller nicht immer als ein Heros er-scheinen ; sie sehen uns zu oft in uuscrm menschlichen Negligö. Jedenfallsergötzte ich mich sehr an der Entdeckung Renduel's, denn sie rettet die Ideemeiner deutschen Philosophie, daß nämlich der Leib der sichtbare Geist ist unddie geistigen Gebresten auch in der Körperlichkeit sich offenbaren. Ich mußmich ausdrücklich gegen die Annahme verwahren, als ob auch das Umgekehrteder Fall sein müsse, als ob der Leib eines Menschen ebenfalls immer sein sicht-barer Geist wäre, und die äußerliche Mißgestalt auch auf eine innere schließenlasse. Nein, wir haben in verkrüppelten Hüllen sehr oft die geradgcwachscnschönsten Seelen gefunden, was um so erklärlicher, da die körperlichen Dif-formitätcn gewöhnlich durch irgend ein physisches Ereigniß entstanden sind,und nicht selten auch eine Folge von Vernachlässigung oder Krankbcit nachder Geburt. Die Difformität der Seele hingegen wird mit zur Welt ge-