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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Er beschreibt sie, wie ein Naturforscher irgend eine Thierart oder ein Pathologeeine Krankheit beschreibt, ohne moralisircnden Zweck, ohne Vorliebe noch Ab-scheu. ES ist ihm gewiß nie eingefallen, solche Phänomen« zu verschönernoder gar zu rchabilitircn, was die Kunst eben so sehr verböte als die Sittlichkeit.

Spätere Notiz.

Berichterstattungen über die erste Vorstellung eines Dramas, wo schon dergefeierte Name des Autors die Neugier reizt, müssen mit großer Eilfertigkeitabgefaßt und abgeschickt werden, damit nicht böswillige Mißurtheile oder ver-unglimpfender Klatsch einen bedenklichen Vorsprung gewinnen. In den vor-stehenden Blättern fehlt daher jede nähere Besprechung des Dichters oder viel-mehr der Dichterin, die hier ihren ersten Biihnenvcrsuch wagte; ein Versuch,der gänzlich mißglückte, so daß die Stirn, die an Lorbeerkränze gewöhnt, dies-mal mit sehr fatalen Dornen gekrönt worden. Für die angedeutete Entbehr-niß in obigem Berichte bieten wir heute einen nothdürftigen Ersah, indem wiraus einer vor etlichen Jahren geschriebenen Monographie etwelche Bemerkun-gen über die Person oder vielmehr die persönliche Erscheinung George Sandshier mittheilcn. Sic lauten wie folgt:

Wie männiglich bekannt, ist George Sand ein Pseudonym, der nom ckgZuorro einer schönen Amazone. Bei der Wahl dieses Namens leitete siekeineswegs die Erinnerung an den unglückscligcu Sand, den MeuchelmörderKohcbue's, des einzigen Lustspieldichtcrö der Deutschen. Unsere Heldin wähltejenen Namen, weil er die erste Silbe von Sandcau; so hieß nämlich ihrLiebhaber, der ein achtungSwerthcr Schriftsteller, aber dennoch mit seinemganzen Namen nicht so berühmt werden konnte, wie seine Geliebte mit derHälfte desselben, die sie lachend mitnahm, als sie ihn verließ. Der wirklicheName von George Sand ist Aurora Dudevant, wie ihr legitimer Gatte ge-heißen, der kein Mythos ist, wie man glauben sollte, sondern ein leiblicherEdelmann aus der Provinz Bcrry, und den ich selbst einmal das Vergnügenhatte, mit eigenen Augen zu sehen. Ich sah ihn sogar bei seiner, damalsschon cks üroto geschiedenen Gattin, in ihrer kleinen Wohnung auf dem guarVoltaire, gnd daß ich ihn eben dort sah, war an und für sich eine Merkwür-digkeit, ob welcher, wie Chamisso sagen würde, ich selbst mich für Geld sehenlassen könnte. Er trug ein nichtssagendes Philistcrgcsicht und schien wederböse noch roh zu sein, doch begriff ich sehr leicht, daß diese feuchtkllhle Tagtäg-lichkeit, dieser porzellanhaftc Blick, diese monotonen, chinesischen Pagodcn-bcwcgungcn für ein banales Wcibzimmcr sehr amüsant sein konnten, jedoch