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giebt es doch hicr eiucu entsetzlichen Priester, der, dnrch seine blutdürstigenGlaubendworte, die Männer des Scheiterhaufens mit den Männer» derGuillotine zu verbinden hofft.
Unterdessen sind alle Augen ans das Schauspiel gerichtet, das auf Frank-reichs Oberfläche, durch mehr oder minder oberflächliche Acteure, tragirt wird.Ich spreche von der Kammer und dem Ministerium. Die Stimmung dercrflcrcn, so wie die Erhaltung des letzteren, ist gewiß von der größten Wich-tigkeit, denn der Hader in der Kammer könnte eine Katastrophe beschleunigen),die bald näher, bald ferner zu treten scheint. Einem solchen Ausbruch solange als möglich vorzubeugen, ist die Aufgabe unserer jetzigen Staatslenkcr.Daß sie nichts anders wollen, nichts anders hoffen, daß sie die endliche „Göt-terdämmerung" voraussehen, verräth sich in allen ihren Handlungen, in allenihren Worten. Mit fast naiver Ehrlichkeit gestand Thiers in einer seinerletzten Reden, wie wenig er der nächsten Zukunft traue und wie man von Tagzu Tag sich hinfristen müsse; er hat ein feines Ohr, und hört schon das Ge-heul des Wolfes Fcnris, der das Reich der Hela verkündigt. Wird ihn dieVerzweiflung über das Unabwendbare nicht mal plötzlich zu einer allzu heftigenHandlung hinreißen?
ö.
Paris, den 39. April 1849.
Gestern Mcnd, nach langem Erwarten von Tag zu Tag, nach einem fastzweimonatlichen Hinzögern, wodurch die Neugier, aber auch die Geduld desPublicums überreizt wurde — endlich gestern Abend ward „Cosima," dasDrama von George Sand, im llllrölltrs tran^ais aufgeführt. Man hatkeinen Begriff davon, wie seit einigen Woche» alle Notabilitätcn der Haupt-stadt, alles was hicr hervorragt durch Rang, Geburt, Talent, Laster, Reich-thum, kurz durch Auszeichnung jeder Art, sich Mühe gab, dieser Vorstellungbeiwohnen zu können. Der Ruhm des Autors ist so groß, daß die Schaulustaufs Höchste gespannt war; aber nicht blos die Schaulust, sondern noch ganzandere Interessen und Leidenschaften kamen ins Spiel. Man kannte imVoraus die Kabalen, die Jntrigucn, die Böswilligkeiten, die sich gegen dasStück verschworen und mit dem niedrigsten Meticrneid gemeinschaftliche Sachemachten. Der kühne Autor, der durch seine Romane bei der Aristokratie undbei dem Bürgerstand gleich großes Mißfallen erregte, sollte für seine „irreli-giösen und immoralischen Grundsätze" bei Gelegenheit eines dramatischenDebüts öffentlich büßen; denn, wie ich Ihnen dieser Tage schrieb, die fran-zösische Noblesse betrachtet die Religion als eine Abwehr gegen die hcrandrohendenSchrecknisse des Republikanismus und protcgirt sie, um ihr Ansehen zu beför-