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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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und Vcrflachungsgedankcn zusagt, und die sie auch öffentlich bekennen würden,geriethen sie nicht dadurch in einen Conflict mit dem Gelde. Jeder Thalcrist ein tapferer Bekämpfer des RcpMikanismus, und jeder Ducatcn einAchilles. Ein Republikaner haßt daher das Geld mit großem Recht, undwird er dieses Feindes habhaft, ach! so ist der Sieg noch schlimmer als eineNiederlage: der Republikaner, der sich des Geldes bemächtigte, hat aufgehört,ein Republikaner zu sein!

Wie die Sympathie, die der Republikanismus erregt, dennoch durch dieGcldintercssen beständig niedergehalten wird, bemerkte ich dieser Tage im Ge-spräche mit einem sehr aufgeklärten Vanquier, der im größten Eifer zu mirsagte:Wer bestreitet denn die Vorzüge der republikanischen Verfassung? Ichselber bin manchmal ganz Republikaner. Sehen Sie, stecke ich die Hand indie rechte Hosentasche, worin mein Geld ist, so macht die Berührung mit demkalten Metall mich zittern, ich fürchte für mein Eigcnthum, und ich fühlemich monarchisch gesinnt; stecke ich hingegen die Hand in die linke Hosentasche,welche leer ist, dann schwindet gleich alle Furcht, und ich pfeife lustig die Mar-seillaise und ich stimme für die Republik!"

Wie die Republikaner sind auch die Legitimisten beschäftigt, die festige Fric-dcnszeit zur Aussaat zu benutzen, und besonders in den stillen Boden derProvinz streuen sie den Samen, woraus ihr Heil erblühen soll. Das Meisteerwarten sie von der Propaganda, die, durch Erziehungsanstalten und Bear-beitung des Landvolks, die Autorität der Kirche wieder herzustellen trachtet.Mit dem Glauben der Väter sollen auch die Rechte der Väter wieder zu Au-sehen kommen. Man sieht daher Frauen von der adeligsten Geburt, die,gleichsam als Imckiss xatrcmessos der Religion, ihre devoten Gesinnungenzur Schau tragen, überall Seelen für den Himmel anwerben, und durch ihrelegantes Beispiel die ganze vornehme Welt in die Kirchen locken. Auch warendie Kirchen nie voller als letzte Ostern. Besonders nach Saint-Roch undNotre-Dame-de-Lorette drängte sich die geputzte Andacht; hier glänzten dieschwärmerisch schönsten Toiletten, hier reichte der fromme Dandy das Weih-wasser mit weißen Glacehandschuhen, hier beteten die Grazien. Wird dieslange währen? Wird diese Religiosität, wenn sie die Vogue der Mode gewinnt,nicht auch dem schnellen Wechsel der Mode unterworfen sein? Ist diese Rötheein Zeichen der Gesundheit? ... Der liebe Gott hat heute viel Besuche,sagte ich vorigen Sonntag zu einem Freunde, als ich den Zudrang nach denKirchen bemerkte. Es sind AbschiedSvisitcn erwiedcrte der Ungläubige.

Die Drachcnzähne, welche von Republikanern und Legitimisten gesäctwerden, kennen wir jetzt, und es wird uns nicht überraschen, wenn sie einstals geharnstchte Kämpen aus dem Boden hcrvorstürmen und sich unter einan-der würgen, oder auch mit einander fratcrnisircn. Ja, letzteres ist möglich,