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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Der Mcistcr, dem ich dieses Buch zueigne, versteht das Handwerk, und kenntdie ungünstigen Umstände, unter welche» der Autor schrieb. Er kennt dasBett, in welchem meine Gcistcskinder das Licht erblickten, das AugsburgischeProkrustesbett, wo man ihnen manchmal die allzulange» Beine und nicht sel-ten sogar den Kops abschnitt. Um unbildlich zu sprechen, das vorliegende Buchbesteht zum größten Theil aus Tagesberichten, welche ich vor geraumer Zeitin der Augsburgischcn Allgemeinen Zeitung drucken ließ. Von vielen hatteich Brouillons zurückbehalten, wonach ich jetzt, bei dem neuen Abdruck, dieunterdrückten oder veränderten Stellen restaurirte. Leider erlaubt mir nichtder Zustand meiner Augen, mich mit vielen solcher Restaurationen zu befassen;ich konnte mich aus dem verwitterten Papierwust nicht mehr herausfinden.Hier nun, so wie auch bei Berichten, die ich ohne vorläufigen Entwurf abge-schickt hatte, ersetzte ich die Lacuncn und verbesserte ich die Alterationen so vielals möglich aus dem Gedächtnisse, und bei Stellen, wo mir der Stil fremd-artig und der Sin» noch fremdartiger vorkam, suchte ich wenigstens die arti-stische Ehre, die schöne Form, zu retten, indem ich jene verdächtigen Stellengänzlich vertilgte. Aber dieses Ausmerzen an Orten, wo der wahnwitzigeRvthstift allzusehr gerast zu haben schien, traf nur Unwesentliches, keineswegsdie Urthcile über Dinge und Menschen, die oft irrig sein mochten, aber immertreu wiedergegeben werden mußten, damit die ursprüngliche Zeitfarbe nichtverloren ging. Indem ich eine gute Anzahl von eingedruckt gebliebenen Be-richten, die keine Ccnsur passirt hatten, ohne die geringste Veränderung hinzu-fügte, lieferte ich durch eine künstlerische Zusammenstellung aller dieser Mono-graphien ein Ganzes, welches das getreue Gemälde einer Periode bildet, dieeben so wichtig wie interessant war.

Ich spreche von jener Periode, welche man zur Zeit der Regierung LudwigPhilipps dieparlamentarische" nannte, ein Name, der sehr bezeichnend warund dessen Bedeutsamkeit mir gleich im Beginn auffiel. Wie im ersten Theildieses Buches zu lesen, schrieb ich am 9. April 18ä<) folgende Worte:Es istsehr charakteristisch, daß seit einiger Zeit die französische Staatsregicrung nichtmehr ein konstitutionelles, sondern ein parlamentarisches Gouvernement ge-nannt wird. Das Ministerium vom ersten März erhielt gleich in der Taufediesen Namen." Das Parlament, nämlich die Kammer, hatte damalsschon die bedeutendsten Prärogative der Krone an sich gerissen, und die ganzeStaatsmacht fiel in seine Hände. Seinerseits war der König, es ist nicht zuläugncn, ebenfalls von usurpatorischcn Begierden gestachelt, er wollte selbstregieren, unabhängig von Kammer- und Ministerlaune, und in diesem Stre-ben nach unbeschränkter Souverainetät suchte er immer die legale Form zu be-wahren. Ludwig Philipp kann daher mit Fug behaupten, daß er nie die Le-galität verletzt, und vor den Assisen der Geschichte wird man ihn gewiß von