Zuelgnungskrief.
An Seine Durchlaucht,den Fürsten P ü ck l o r - KI u s k a u.
Die Reisenden, welche irgend einen durch Kunst oder historische Erinnerungdenkwürdigen Ort besuchen, pflegen hier an Mauern und Wänden ihre re-spcktiven Namen zu inscridiren, mehr oder minder leserlich, jenachdem dasSchreibmaterial war, das ihnen zu Gebote stand. Sentimentale Seelen su-deln hinzu auch einige pathetische Zeilen gereimter oder ungereimter Gefühle.In diesem Wust von Inschriften wird unsre Aufmerksamkeit plötzlich in An-spruch genommen von zwei Namen, die neben einander eingegraben sind; Jahr-zahl und Monatstag steht darunter und um Namen und Datum schlängeltsich ein ovaler Kreis, der einen Kranz von Eichen oder Lorbeerblättern vorstel-len soll. Sind den spätem Besuchern deS Ortes die Personen bekannt, denenjene zwei Namen angehören, so rufen sie ein heiteres: Sieh da! und sie machendabei die tiefsinnige Bemerkung, daß jene Beiden also einander nicht fremdgewesen, daß sie wenigstens einmal auf derselben Stelle einander nahe gestan-den, daß sie sich im Raum wie in der Zeit zusammengesunden, sie, die so gutzusammen paßten. — Und nun werden über Beide Glossen gemacht, die wirleicht errathcn, aber hier nicht mittheilen wollen.
Indem ich, mein hochgefcierter und wahlverwandter Zeitgenosse, durch dieWidmung dieses Buches gleichsam auf die Fagade desselben unsre beiden Na-men inscribirc, folge ich nur einer heiter gaukelnden Laune des Gcmllthes, undwenn meinem Sinne irgend ein bestimmter Beweggrund vorschwebt, so ist esallenfalls der oberwähnte Brauch der Reisenden. — Ja, Reisende waren wirbeide auf diesem Erdball, das war unsre irdische Spccialität, und diejenigen,welche nach uns kommen, und in diesem Buche den Kranz sehen, womit ichunsre beiden Namen umschlungen, gewinnen wenigstens ein authentischesDatum unsres zeitlichen Zusammentreffens, und sie mögen nach Beliebendarüber glossircn, in wie weit der Verfasser der Briefe eines Verstorbenen undder Berichterstatter der Lutezia zusammen paßten. —
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