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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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weniger zum Besten des dritten Standes, des Mittelstandes, des Justcmilicn,als vielmehr zum Besten der Männer, deren Vermögen nur in Herz undHand besteht; und gar seine Armee war eine Hierarchie, deren Ehrenstufennur durch Eigenwcrth und Fähigkeit erstiegen wurden. Der geringste Baucrn-sohu konnte dort, eben so gut wie der Junker aus dem ältesten Hause, diehöchsten Würden erlangen und Gold und Sterne erwerben. Darum hängtdes Kaisers Bild in der Hütte jedes Landmannes, an derselben Wand, wodas Bild des eigenen Sohnes hängen würde, wenn dieser nicht aus irgendeinem Schlachtfelde gefallen wäre, che er zum General avancirt, oder garzum Herzog oder zum König, wie so mancher arme Bursche, der durch Muthund Talcut sich so hoch emporschwingen konnte als der Kaiser noch regierte.In dem Bilde desselben verehrt vielleicht Mancher nur die verblichene Hoffnungseiner eigenen Herrlichkeit.

Am öftersten fand ich in den Bauerhäusern das Bild des Kaisers, wie erzu Jaffa das Lazarcth besucht, und wie er zu St. Helena auf dem Todbctteliegt. Beide Darstellungen tragen auffallende Aehnlichkcit mit den Heiligen-bildern jener christlichen Religion, die jetzt in Frankreich erloschen ist. Aufdem einen Bilde gleicht Napoleon einem Heilande, von dessen Berührung diePestkranken zu genesen scheinen; aus dem andern Bilde stirbt er gleichsam denTod der Sühne.

Wir, die wir von einer andern Symbolik befangen sind, wir sehen in Na-poleons Martyrtod aus St. Helena keine Versöhnung in dem angedeutetenSinne, der Kaiser büßte dort für den schlimmsten seiner Jrrthümer, für dieTreulosigkeit, die er gegen die Revolution, seine Mutter, begangen. DieGeschichte hatte längst gezeigt, wie die Vermählung zwischen dem Sohne derRevolution und der Tochter der Vergangenheit nimmermehr gedeihen konnte,und jetzt sehen wir auch, wie die einzige Frucht solcher Ehe nicht lange zu lebenvermochte und kläglich dahinstarb.

In Betreff der Erbschaft des Verstorbenen sind die Meinungen sehr getheilt.Die Freunde von Ludwig Philipp glauben, daß jetzt die verwaisten Bonapar-tisten sich ihnen anschließen werden; doch zweifle ich, ob die Männer desKrieges und des Ruhmes so schnell ins friedliche Justcmilicu übergehen kön-nen. Die Karlistcn glauben, daß die Bonapartisten jetzt dem alleinigen Prä-tendenten, Heinrich V., huldigen werden; ich weiß wahrlich nicht, ob ich inden Hoffnungen dieser Menschen mehr ihre Thorhcit oder ihre Insolenz be-wundern soll. Die Republikaner scheinen noch am meisten im Stande zusein, die Bonapartisten an sich z» ziehen; aber wenn es einst leicht war, ausden ungekämmtesten Sanskülotten die brillantesten Imperialisten zu machen,so mag es jetzt schwer sein, die entgegengesetzte Umwandlung zu bewerkstelligen.

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