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intercsscn begeistert ist, äußert sich unverschlclcrt über das, wie sie glaubt, un-vermeidliche Nahen einer Republik; und die Karlistcn, welche einem Pcrsvncn-intcresse zugcthan sind, insinuiren auf alle mögliche Weise ihren Haß gegendie jetzigen Gewalthaber, die sie mit den übertriebensten Farben schildern, undderen Sturz sie als ganz gewiß, fast bis aus Tag und Stunde, voraus-sagen. Die Karlisten sind in hiesiger Gegend ziemlich zahlreich. Dieses er-klärt sich dadurch, daß hier noch ein besonderes Interesse vorhanden ist, nämlicheine Vorliebe für einige Glieder der gefallenen Dynastie, die in dieser Gegendden Sommer zuzubringen pflegten und sich hie und da beliebt zu machen wuß-ten. Namentlich that dieses die Herzogin von Bcrry. Die Abenteuer der-selben sind daher das Tagsgcspräch in dieser Provinz, und die Priester derkatholischen Kirche erfinden noch obendrein die gottseligste» Legenden zur Ver-herrlichung der polltischen Madonna und der gcbencdciten Frucht ihres LeibeS.In früher» Zeiten waren die Priester keineswegs so besonders mit dem kirch-lichen Eifer der Herzogin zufrieden, und eben indem letztere manchmal daspricstcrllchc Mißfallen erregte, erwarb sie sich die Gunst des Volkes. „Diekleine nette Frau ist durchaus nicht so bigott wie die Andern" — hieß es da-mals — „seht wie weltlich kokett sie bei der Prozession clnherschlendcrt, unddas Gebetbuch ganz gleichgültig in der Hand trägt, und die Kerze so spielendniedrig hält, daß das Wachs auf die Atlasschleppe ihrer Schwägerin, derbrummig devoten Angoulämc, nlcdcrträufelt!" Diese Zelten sind vorbei, dierosige Heiterkeit ist erblichen auf den Wangen der armen Karoline, sie ist frommgeworden wie die Andern, und trägt die Kerze ganz so gläubig, wie die Prie-ster es begehren, und sie cutzündet damit den Bürgerkrieg im schönen Frank-reich, wie dle Priester cS begehren.
Ich kann jetzt nicht umhin zu bemerken, daß der Einfluß der katholischenGeistlichen in dieser Provinz größer ist, als man es in Paris glaubt. BeiLeichenzügen sieht man sie hier in ihren Kirchentrachtcn, mit Kreuze» undFahnen, und melancholisch singend, durch die Straßen wandeln, ein Anblick,der schier befremdlich, wenn man aus der Hauptstadt kommt, wo dergleichenvon der Polizei oder vielmehr von dem Volke, streng untersagt ist. So langich in Paris war, habe ich nie clnen Geistlichen in seiner Amtstracht auf derStraße gesehen; bei keinem einzigen von den vielen tausend Leichenbegäng-nissen, die in der Cholcrazcit mir vorüberzogen, sah ich die Kirche weder durchihre Diener noch durch ihre Symbole repräsentirt. Viele wollen jedoch be-haupten, daß auch in Paris die Religion wieder stlll auflebe. Es ist wahr,wenigstens die französisch katholische Gemeinde des Abb6 Chatcl nimmt täg-lich zu; der Saal desselben auf der Rue Cllchy ist schon zu eng geworden fürdie Menge der Gläubigen, und seit einiger Zeit hält er den katholischen Got-tesdienst in dem großen Gebäude auf dem Boulevard Bonnc-Nouvcllc, worin
Heine. VI. 17