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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
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und man wühlt nach, ob nicht etwa eine Flinte darin versteckt liegt oder gareine Tüte mit Pulver. Am meisten werden die armen Fremden belästigt, diedes Belagerungszustandes wegen sich nach der Prefecturc de Police begebenmästen, um neue Aufenthalts-Erlaubnisse nachzusuchen. Sie müssen dortpro kormn allerlei Jnterrogationen ausstehen. Viele Franzosen aus der Pro-vinz, besonders Studenten, müssen auf der Polizei einen Revers unterschreiben,daß sie während ihres Aufenthalts in Paris nichts gegen die Regierung vonLudwig Philipp unternehmen wollten. Viele haben lieber die Stadt verlassen,als daß sie diese Unterschrift gaben. Andere unterschriebe» nur, nachdem manihnen erlaubte hinzuzusetzen, daß sie ihrer Gesinnung nach Republikaner seien.Jene polizeiliche Vorsichtsmaßregel haben gewiß die Doktrinairc nach dem Bei-spiele deutscher Universitäten eingeführt.

Man arrctirt noch immer, zuweilen die heterogensten Leute und unter denheterogensten Vorwänden; die Einen wegen Thcilnahmc an der republika-nischen Revolte, Andere wegen einer neu entdeckten bonapartistischcn Verschwö-rung; gestern arretirte man sogar drei karlistische Pairs, worunter DonChateaubriand, der Ritter von der traurigen Gestalt, der beste Schriftstellerund größte Narr von Frankreich. Die Gefängnisse sind überfüllt. In SaintPelagie allein sitzen politischer Anklagen halber über 6M Gefangene. Voneinem meiner Freunde, der wegen Schulden sich dort befindet, und ein großesWerk schreibt, in welchem er beweist, daß Saint Pelagie von den PclaSgcrngestiftet worden, erhielt ich gestern einen Brief, worin er sehr klagt über denLärm, der ihn jetzt umgebe und in seinen gelehrten Untersuchungen gestörthabe. Der größte Ucbcrmuth herrscht unter den Gefangenen von SaintPelagie. Auf die Mauer des H ofcS haben sie eine ungeheuer große Birne ge-zeichnet und darüber ein Beil.

Ich kann bei Erwähnung der Birne nicht umhin, zu bemerken, daß die Bil-dcrlädcn durchaus keine Notiz genommen von unserem Belagerungszustände.Die Birne, und wieder die Birne, ist dort auf allen Karrikaturcn zu schauen.Die auffallendste ist wohl die Darstellung der Place-de-la-Concorde mit demMonument, das der Charte gewidmet ist; auf lctztcrm, welches die Gestalteines Altars hat, liegt eine ungeheure Birne mit den Gesichtszügen des Kö-nigs. Dem Gcmüth eines Deutschen wird dergleichen auf die Länge lästigund widrig. Jene ewigen Spöttereien, gemalt und gedruckt, erregen vielmehrbei mir eine gewisse Sympathie für Ludwig Philipp. Er ist wahrhaft zu be-dauern, jetzt mehr als je. Er ist gütig und milde von Natur, und wird jetztgewiß von den Kriegsgerichten dazu verurtheilt, strenge zu sein. Dabei fühlter, daß Exekutionen weder helfen noch abschrecken, besonders nachdem die Cho-lera vor einigen Wochen über ^5,OVO Menschen durch die schrecklichsten Mar-tern hingerichtet. Grausamkeiten werden aber den Gewalthabern eher ver-