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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Wcnn man jetzt die Republikaner sprechen hört, so gestehen sie, daß am 6.Juni das Unglück ihrer Freunde ihnen viel geschadet, daß aber TagS daraufdie Thorheit ihrer Feinde, nämlich die Ordonnanz über den Belagcrungsstandder Stadt Paris, ihnen desto mehr genutzt hat. Sic behaupteten, daß der S.und 6. Juni nur als Vorpostengcfccht zu betrachten sei, daß keine von denNotabilitätcn der republikanischen Partei dabei gewesen, und daß ihnen ausdem vergossenen Blute viele neue Mitkämpfer erwüchsen. Was ich oben er-wähnt, scheint diese Behauptung einigermaßen zu unterstützen. Die Partei,die der National repräscntirt, und die von der perfiden Gazette de France alsdoktrinaire Republikaner bezeichnet wird, nahm an jenen Begebenheiten keinenTheil, und die Häuptlinge der Partei der Tribüne, die Montagnards, sindebenfalls nicht dabei zum Vorschein gekommen.

Paris, den 17. Juni.

Man macht sich jetzt in der Ferne gewiß die sonderbarsten Vorstellungen vondem hiesigen Zustande, wcnn man die letzten Vorfälle, den noch unaufgchobe-nen Etat de Sidge und die schroffe Gegeneinanderstellung der Parteien be-denkt. Und doch sehen wir diesen Augenblick hier so wenig Veränderung, daßwir unS eben über diesen Mangel an ungewöhnlichen Erscheinungen am mei-sten wundern müssen. Diese Bemerkung ist die Hauptsache, die ich mitzu-thcilen habe, und dieser negative Inhalt meines Briefes wird gewiß mancheirrige Voraussetzungen berichtigen.

Es ist hier ganz still. Die Kriegsgerichte instruiren mit grimmiger Miene.Bis jetzt ist noch keine Katze erschossen. Man lacht, man spöttelt, man witzeltüber den Belagerungszustand, über die Tapferkeit der Nationalgarde, über dieWeisheit der Regierung. Was ich gleich vorausgesagt habe, ist richtig einge-troffen: das Juste-Milieu weiß nicht, wie es sich wieder aus dem Heroismusherausziehen soll, und die Belagerten betrachten mit Schadenfreude diesen ver-zweifelten Zustand der Belagerer. Diese möchten gern so barbarisch als mög-lich aussehen; sie wühlen im Archiv der barbarischen Zeiten, um Gräuclge-setze wieder ins Leben zu rufen, und es gelingt ihnen nur, sich lächerlich zumachen.

Die geputzten Mcnschengruppcn, die in den Gärten des Palais-royal, derTuillcrien, und des Lnxembourg spazieren gehen, und die stille Sommerkühleeinathmcn oder den idyllischen Spielen der kleinen Kinder zuschauen oder insonstig umfriedeter Ruhe sich crlustigen, diese bilden, ohne es zu wissen, die hei-terste Satyre aus jenen Belagerungszustand, welcher gesetzlich existirt. Damitdas Publikum nur einigermaßen daran glaube, werden mit dem größten Ernstüberall Haussuchungen gehalten, Kranke werden aus ihren Betten aufgestört.