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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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das ist es eben, Ludwig Philipp wird sich nie sclbstwillig der öffentlichenMeinung entgegenstelle», er wird immer ihre dringendsten Gebote zu crlau-schcn suchen und immer darnach handeln. Das ist die wichtigste Bedeutungder gestrigen Revue. Ludwig Philipp suhlte das Bediirfniß, das Volk inMasse zu sehen, um sich zu überzeugen, daß es ihm seine Kanonenschusse undOrdonnanzen nicht übelgenommen und ihn nicht sür einen argen Gcwaltkönighält, und kein sonstiges Mißverständniß statt findet. Das Volk wollte sichaber auch seinen Ludwig Philipp genau betrachten, um sich zu überzeugen, daßer noch immer der untcrthänige Höfling seines souveraincn Willens ist, undihm noch immer gehorsam und ergeben geblieben. Man konnte deßhalb eben-falls sagen, das Volk habe den König die Revue passircn lassen, es habe Kö-nigschau gehalten, und habe bei dessen Manöuvre seine allerhöchste Zufrieden-heit geäußert.

Paris, den 12. Juni.

Die große Revue war gestern das allcmcine Tagesgespräch. Die Ge-mäßigten sahen darin das beste Einverständniß zwischen dem König undden Bürgern. Viele erfahrne Leute wollen jedoch diesem schönen Bunde nichttrauen, und weissagen ein Zerwürfniß, das leicht stattfinden kann, sobald ein-mal die Interessen des Thrones mit den Interessen der Boutique in Konfliktgerathen. Jetzt freilich stützen sie sich wechselseitig, und König und Bürgersind mit einander zufrieden. Wie man mir erzählt, war die Place Vendomevorgestern Nachmittag der Schauplatz, wo man jene schöne Ucbcrcinstimmungam besten bemerken konnte; der König war erheitert durch den Jubel, womiter auf den Boulevards empfangen worden; und als die Kolonnen der Na-tionalgarden ihm vorbei defilirten, traten einzelne derselben, ohne Umstände,aus der Reihe hervor, reichten auch ihm die Hand,-sagten ihm dabei ein freund-liches Wort, oder sagten ihm bündigst ihre Meinung über die letzten Ereignisse,oder erklärten ihm unumwunden, daß sie ihn unterstützen werden, so lange erseine Macht nicht mißbrauche. Daß dieses nie geschehe, daß er nur die Un-ruhestifter unterdrücken wolle, daß er die Freiheit und Gleichheit der Fran-zosen um so kräftiger verfechten werde, bcthcuerte Ludwig Philipp aufs hei-ligste, und sein Wort begründete vieles Vertrauen. Ich habe der Unpartei-lichkeit wegen diese Umstände nachträglich erwähnen müssen. Ja, ich gestehecS, das mißtrauende Herz ward mir dadurch etwas besänftigt.

Die Oppositionsjournale scheinen fast die vorgestrigen Vorgänge ignorirenzu wollen. Ueberhaupt ist ihr Ton sehr merkwürdig. Es ist eine Art desAnsichhaltens, wie cS furchtbaren Ausbrüchen vorherzugehen Pflegt. Siescheinen nur die Aufhebung der Ordonnanz über den BelagcrungSstand ab-warten zu wollen. Der Ton jedes Journals bekundet, in welchem Grade es