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den jüngst erschienenen Memoiren von Dümont, entsetzlich verschrieen wird.Manche seiner Zeitgenossen haben deßhalb an der Größe seines RcdncrtalcnteSgezweifelt und ihm nur wirksame Saillies, Thcatcrcoups der Tribüne zuge-standen. Es ist jetzt schwer, ihn in dieser Hinsicht zu beurtheilen. Nach demZeugniß der Mitlebenden, die man noch über ihn befragen kann, lag der Zau-ber seiner Rede mehr in seiner persönlichen Erscheinung als in seinen Worten.Besonders wenn er leise sprach, ward man durchschaucrt.von dem wunderbarenLaut seiner Stimme; man hörte die Schlangen zischen, die heimlich unter denoratorischcn Blumen krochen. Kam er in Leidenschaft, war er unwiderstehlich.Von Frau von Staöl erzählt man, daß sie auf der Gallerte der Nationalver-sammlung saß, als Mirabeau die Tribüne bestieg, um gegen Nccker zu sprechen.Es versteht sich, daß eine Tochter wie sie, die ihren Vater anbetete, mit Wuthund Grimm gegen Mirabeau erfüllt war; aber diese feindlichen Gefühleschwanden, je länger sie ihn anhörte, und endlich, als das Gewitter seiner Redemit schrecklichster Herrlichkeit aufstieg, als die vergifteten Blitze aus seinenAugen schössen, als die weltzerschmctternden Donner aus seiner Seele hcrvor-grolltcn — da lag Frau von Staöl weit hinausgelehnt über der Ballustradeder Gallcrie und applaudirtc wie toll.
Aber bedeutsamer noch als das Rednertalcnt des Mannes, war das was ersagte. Dieses können wir jetzt am unpartheiischstcn beurtheilen, und da sehenwir, daß Mirabeau seine Zeit am tiefsten begriffen hat, daß er nicht sowohlniederzureißen als auch aufzubauen wußte, und daß er letzteres besser verstandals die großen Meister, die sich bis auf heutigen Tag an dem großen Werkeabmühen. In den Schriften Mirabeaus finden wir die Hauptidccn einer kon-stitutionellen Monarchie, wie sie Frankreich bedurfte; wir entdecken den Grund-riß, obgleich nur flüchtig und mit blassen Linien entworfen; und wahrlich, allenweisen und bangen Regenten Europas empfehle ich das Studium dieser Linien,dieser StaatShülfslinien, die das größte politische Genie unserer Zeit, mit pro-phetischer Einsicht und mathematischer Sicherheit, vorgczeichnct hat. Es wärewichtig genug, wenn man Mirabeaus Schriften in dieser Hinsicht, auch fürDeutschland, ganz besonders zu exploitircn suchte. Seine revolutionären,negierenden Gedanken haben leichtes Vcrständniß und schnelle Wirkung ge-funden. Seine eben so gewaltigen positiven, konstituircnden Gedanken sindweniger verstanden und wirksam geworden.
Am wenigsten verstand man Mirabeaus Vorliebe für das Königthum.Was er diesem an absoluter Gewalt abgewinnen wollte, das gedachte er ihmdurch konstitutionelle Sicherung zu vergüten; ja, er gedachte, die königlicheMacht noch zu vermehren und zu verstärken, indem er den König aus den Hän-den der hohen Stände, die ihn, durch Hosintrigucn und Beichtstuhl, faktischbeherrschten, gewaltsam riß, und vielmehr in die Arme des dritten Standes