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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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vielleicht war der Parteikampf unter den Revolutionsmänncrn selbst, bis ausdiese Stunde, nur eine Fortsetzung eben dieser Feindschaft.

(Vergl. die Note n, am Schluß.)

Dem Voltaire geschieht jedoch Unrecht, wenn man behauptet, er sei nicht sobegeistert gewesen wie Rousseau; er war nur etwas klüger und gewandter.Die Unbeholfenheit flüchtet sich immer in den Stoizismus und grollt lakonischbeim Anblick fremder Geschmeidigkeit. Alficri macht dem Voltaire den Vor-wurf, er habe als Philosoph gegen die Großen geschrieben, während er ihnenals Kammcrherr die Fackel vortrug. Der düstere Piemontcscr bemerkte nicht,daß Voltaire, indem er dienstbar den Großen die Fackel vortrug, auch damitzugleich ihre Bloße beleuchtete. Ich will aber Voltaire durchaus nicht vondem Vorwurf der Schmeichelei freisprechen, er und die meisten französischenGelehrten krochen wie kleine Hunde zu den Füßen des Adels, und leckten diegoldenen Sporen, und lächelten, wenn sie sich daran die Zunge zerrissen, undließen sich mit Füßen treten. Wenn man aber die kleinen Hunde mit Füßentritt, so thut das ihnen eben so weh wie den großen Hunden. Der heimlicheHaß der französischen Gelehrten gegen die Großen muß um so entsetzlichergewesen sein, da sie, außer den gelegentlichen Fußtritten, auch viele wirklicheWohlthatcn von ihnen genossen hatten. Garat erzählt von Champfort, daßer tausend Thaler, die Ersparnisse eines ganzen arbeitsamen Lebens, auseinem alten Lederbcutci hervorzog und freudig hingab, als, im Anfang derRevolution, zu einem revolutionären Zwecke Geld gesammelt wurde. UndChampfort war geizig und war immer von den Großen protegirt worden.

Mehr aber noch als die Männer der Wissenschaft, haben die Männer derGewerbe den Sturz des alten Regimes befördert. Glaubten jene, die Ge-lehrten, daß an dessen Stelle das Regime der geistigen Kapazitäten beginne,so glaubten jene, die Industriellen, daß ihnen, dem faktisch mächtigsten undkräftigsten Theil des Volks, auch gesetzlich die Anerkenntniß ihrer hohen Be-deutung, und also gewiß jede bürgerliche Gleichstellung und Mitwirkung beiden Staatsgeschäftcn, gebühre. Und in der That, da die bisherigen Insti-tutionen auf dem alten Kriegswesen und dem Kirchenglaubcn beruhten, welchebeide kein wahres Leben mehr in sich trugen: so mußte die Gesellschaft aufdie beiden neuen Gewalten basirt werden, worin eben die meiste Lebenskraftquoll, nämlich auf die Wissenschaft und die Industrie. Die Geistlichkeit, diegeistig zurückgeblieben war seit Erfindung der Buchdruckern, und der Adel,der durch die Erfindung des Pulvers zu Grunde gerichtet worden, hätten jetzteinsehen müssen: daß die Macht, die sie seit einem Jahrtausend ausgeübt,

Heine. VI. 15