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6 (1855) Vermischte Schriften : zweite Abtheilung
Entstehung
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Tagesberichte.

Vorbemerkung.

Ucbcr die mißlungene Insurrektion vom 5. und 6. Junius, über diese sobedeutende und folgcreiche Erscheinung, wird man nie viel Wahres und Nich-tiges erfahren, sintemalen beide Partheien gleich intcressirt waren, die bekann-ten Thatsachen zu entstellen und die unbekannten zu verhüllen. Die folgen-den Tagesberichte, geschrieben Angesichts der Begebenheiten, im Geräusch dcSPartheikampss und zwar immer kurz vor Abgang der Post, so schleunig alsmöglich, damit die Corrcspondentcn des siegenden Justc-milieu nicht den Vor-sprung gewönnen diese flüchtigen Blätter thcile ich hier mit, unverändert,in so weit sie auf die Insurrektion vom 5. Junius Bezug haben. Der Ge-schichtsschreiber mag sie vielleicht einst um so gewissenhafter benutzen können,da er wenigstens sicher ist, daß sie nicht nach späteren Interessen verfertigtworden.

Wenn es auch für manche irrige Suppositionen, wie man sie in diesenBlättern findet, keines besondern Widerrufs bedarf, so kann ich doch nichtumhin, eine einzige derselben zu berichtigen. Der General Lafayette hat näm-lich seitdem öffentlich erklärt, daß er es nicht war, welcher am 5. Junius dierothe Fahne und die Jakobinermütze bekränzt hat. Unser alter General hatsich, wie ich erst später erfahren, an jenem Tage ganz seiner würdig gezeigt.Eine leichtbcgreifliche Diskretion erlaubt mir nicht, in diesem Augenblick, einigehieraus bezügliche Umstände zu berichten, die selbst den eingefleischtesten Jako-biner mit Rührung und Ehrfurcht vor Lafayette erfüllen mußten.

Man wird in diesen Blättern, wie im ganzen Buche, vielen widersprechen-den Aeußerungen begegnen, aber sie betreffen nie die Dinge, sondern immerdie Personen. Ucbcr crstcre muß unser Urtheil feststehen, über letztere darfes täglich wechseln. So habe ich über das schlechte System, worin LudwigPhilipp wie in einem Sumpfe steckt, immer dieselbe Meinung ausgesprochen,aber über seine Person urthcilte ich nicht immer in derselben Tonart. ImBeginn war ich gegen ihn gestimmt, weil ich ihn für einen Aristokraten hielt;später, als ich mich von seiner ächten Bürgcrlichkeit überzeugte, sprach ich schon

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